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1777

Nach einem alten Liede

Johann Georg Jacobi

Sagt, wo sind die Veilchen hin, Die so freudig glänzten, Und der Blumen-Königinn Ihren Weg bekränzten?

„Jüngling ach! der Lenz entflieht: Diese Veilchen sind verblüht.“ Sagt, wo sind die Rosen hin, Die wir singend pflückten,

Als sich Hirt' und Schäferinn Hut und Busen schmückten? „Mädchen, ach! der Sommer flieht: Diese Rosen sind verblüht.“

Führe denn zum Bächlein mich, Das die Veilchen tränkte, Das mit leisem Murmeln sich, In die Thäler senkte.

„Luft und Sonne glühten sehr: Jenes Bächlein ist nicht mehr.“ Bringe denn zur Laube mich, Wo die Rosen standen,

Wo in treuer Liebe sich Hirt' und Mädchen fanden. „Wind und Hagel stürmten sehr: Jene Laube grünt nicht mehr.“

Sagt, wo ist das Mädchen hin, Das, weil ich's erblickte, Sich mit demuthvollem Sinn Zu den Veilchen bückte?

„Jüngling! alle Schönheit flieht: Auch das Mädchen ist verblüht.“ Sagt, wo ist der Sänger hin, Der auf bunten Wiesen

Veilchen, Ros' und Schäferinn; Laub und Bach gepriesen? „Mädchen, unser Leben flieht: Auch der Sänger ist verblüht.“

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Nach einem alten Liede · Johann Georg Jacobi · Poetry Cove