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1777

Freymäurer-Lied

Johann Georg Jacobi

Die alte Finsterniß entwich; Die Wüste ward erhellt: Da baute Gott, der Schöpfer, sich Zum Tempel diese Welt.

In Eintracht wandelte die Schaar Der lichten Sterne fort; Und Liebe, lauter Liebe war Das große Schöpfungs-Wort.

Auf Erden mußt' ein Paradies, Ein Liebes-Tempel blühn, Wo jedes Lüftchen ruhig blies Durchs friedenvolle Grün;

Wo in der Unschuld Heiligthum Das Lamm bey Tigern ging, Wo Zweig an Zweig, und Blum' an Blum' In Liebes-Knoten hing.

Hier sollten, gleich dem Sonnenstrahl, Die Seelen alle rein, Auf jedem Berg, in jedem Thal Die Menschen Brüder seyn.

Vergebens, ach! es floh zu bald, Es floh die goldne Zeit; Ins Reich der Liebe trat Gewalt; Der Tempel war entweiht.

Wenn aber seliges Vertraun Nicht ganz die Erde ließ, So laßt uns wieder auferbaun Ein Wonne-Paradies.

O selig, drey Mahl selig ist Das Plätzchen unter'm Mond, Wo sich mit Einfalt Wahrheit küßt, Bey Liebe Treue wohnt;

Der Große mit dem Niedern geht, Ihn brüderlich umarmt, Des Schwächern, der um Beystand fleht, Ein Stärkrer sich erbarmt;

Am Morgen, wenn des Landmanns Lied Aus voller Scheun' erklingt, Die Wittwe nicht gen Himmel sieht, Und matt die Hände ringt;

Am Abend, wer sein graues Haar Mit Ehr' im Stillen trägt, Sich nach so manchem sauren Jahr Nicht trostlos niederlegt!

Wohlauf, ihr Brüder! laßt uns so, Beharrlich im Vertraun, In unserm Paradiese froh Den Liebes-Tempel baun.

Mag er im Erdenschatten hier Nur unvollendet stehn! Einst über Sternen werden wir Den bessern Tempel sehn.

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