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1777

An die Hirten

Johann Georg Jacobi

Ihr Schäfer! wenn die Freude Vom Hügel niederschwebt, Und sich das Grün der Weide Mit Veilchen unterwebt;

Und ihr, in bunten Reihen, Euch um die Blumen setzt, Mit Flöten und Schallmeyen Den nahen Wald ergötzt;

Und eure Mädchen liegen Auf zarten Rasen, weich, Am Blüthenbaum, und schmiegen Vertrauter sich an euch;

Und fern von euren Chören Erschallt der Flöte Klang; Und Chloe kommt, zu hören Den lockenden Gesang;

O dann – die Götter geben Euch süßen Lohn dafür! – Dann singt vom reinen Leben Der schönen Unschuld ihr.

Dann singt ihr von der Weiße Der Lilien im Thal; Von kleiner Bienen Fleiße, Bey frühem Sonnenstrahl;

Von Küssen ohne Reue, Die man dem Schäfer gab; Vom Glauben an die Treue Bis in das finstre Grab.

Gelobt's, ihr jungen Hirten, Dem Frühling! – Ach, kein Lied, Vor dem in ihre Mirthen Die keusche Liebe flieht!

Denn ohne Falsch geblieben Ist noch das Mädchen. Ach! Wollt ihr die Quelle trüben Dem lautern Silber-Bach?

Denn Chloens innre Güte Bestrahlt ihr Angesicht: O, tilgt die erste Blüthe Von Mädchen-Tugend nicht!

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