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1697

Uber die Thorheit der menschlichen Begierden

Christian Friedrich Hunold

Der Geist hat in des Leibes Banden Gewalt und Unrecht ausgestanden So lang er auf der Welt in solchen Kercker lebt. Bald soll er zu des Fleisches Lüsten

Bald vor des Geitzes weite Küsten Und bald bemühet seyn wenn man nach Ehren strebt. Was ists wenn Wollust aufgedecket Wenn Süßigkeit letzt sauer schmecket?

Wenn man die Seele zwingt in uns berauscht zu seyn? Mensch glaubst du gleich kein Auferstehen So macht dein immer müßig gehen Dir durch ein giftig Blut schon hier die Höllen Pein.

Der Geist so rein sein hohes Wesen Muß manchem Gold aus Kothe lesen. Man stopft ihm wenn er schmält das Maul mit Klumpen zu. Es heißt hilf mir zusammen scharren.

So müß-vergnüget wehlen Narren Zum Hunger Uberfluß und Sorgen zu der Ruh. Die Ehrsucht hecket tausend Grillen. Der Wahn muß so die Welt erfüllen

Als ob nicht jeder Geist gut nach dem Uhrsprung sey. Wenn einer nur was neues lehret Es sey auch gottloß und verkehret So ist es Weltberühmt und macht vom Sterben frey.

O Thor was Salomon geschrieben Ist auch nicht ungetadelt blieben. Wird nicht der Griechen-Heer in Gräbern noch geschimpft? Viel schlechter bleibt man dem gewogen

Worüber du die Stirn gezogen Und nach der Stoer Art dein Maul so oft gerümpft. Heut machstu dir noch viele Sorgen Die Phantasie verschwindet morgen

Wenn dich die Eitelkeit in ihr Register trägt. Denn bauen Wollust Geitz und Ehre Im Sterben andern diese Lehre: So wird der Menschen Wahn erschrecklich wiederlegt.

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