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1697

Uber alle beyde

Christian Friedrich Hunold

Ihr seyd einander gleich an Ehr und Ruhm zu schätzen. Ihr seyd einander gleich in täglichen Ergetzen Drum wundert es mich sehr weil gleich und gleich sich liebt Daß ein so gleiches Paar so große Feindschafft übt.

Natürlich singt ihr schön; der Tugend nach wie Eulen Die in der Finsterniß erbärmlich schreyn und heulen. Drum streitet nicht darum; je besser eine singt Je häßlicher der Thon in keuschen Ohren klingt.

Die eine sey so schön als Venus anzuschauen. Die Venus lebte nie; ihr Bild war nur gehauen; Bloß ward sie vorgestellt; Ihr Hertz war harter Stein Und war so tod als die die ohne Tugend seyn.

Du aber die sich itzt will einen Engel nennen Wird einst des Himmels-Strahl in deiner Seelen brennen: So mahlest du gewiß dein vorig Bildniß hin Mit dieser Engels-Schrifft: fleuch eine Sängerin.

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Uber alle beyde · Christian Friedrich Hunold · Poetry Cove