Die Schönheit ist ein Feind der frey und reinen Brust Die Liebe die sie pflantzt ein Feind der Ruh und Lust. Doch diese Feinde kan die Kranckheit überwinden Die Tugend aber nicht in der wir Ruhe finden.
Drum liebt ein edler Geist zwar einen schönen Leib Jedoch entflammt ihn mehr ein Engel-gleiches Weib Und will in der Natur er die Natur besprechen Muß ihm der Tugend-Hand der Schönheit Rosen brechen.
Der Himmel schlichtete den sonderbahren Streit Und sprach: der Tugend nur bleibt die Vortrefflichkeit. Doch zancket nicht darum vereinigt euch zusammen: Der Menschen-Liebe muß durch euch vollkommen flammen.
Er rief: was ich gesagt sey itzo Sonnen-klar Und suchte gleich darauf ein ihm beliebtes Paar. Dem gab er sie und sprach: den süßen Brand zu heilen Solt ihr euch beyde nun in diese viere theilen.
Ich nehme sprach die Braut die Tugend in mein Hertz: Sie ist der Seelen-Schatz der Engel Lust und Schertz; Die Schönheit an den Leib. Wer will die Liebe haben? Die beyden ersten sind bey mir des Himmels-Gaben.
So kom mein Edler Wolff nim beydes Lieben an. Ich find an deinem Thun was mich entzücken kan: Gelehrsamkeit Verstand die Anmuht in Geberden: Wo durch ich schätzbar kan vor vielen Weibern werden.
Die erste Liebe soll nach meiner Tugend gehn; Du wirst dem Glück dadurch unüberwindlich sehn. Die Tugend ist ein Schmuck an Frauen hochzuschätzen Ein Atlas in dem Creutz ein Leitstern im Ergetzen.
Der Schönheit Liebe nimmt dein Hertz in die Gewalt Und giebt der Augen Lust beliebten Aufenthalt. Sie soll die Dienerin von iener Liebe bleiben: In Tugend die Natur vergnügen und vertreiben.
Die ungemeine Braut sprach so viel schönes aus. Denn zog der Bräutigam in ihrer Tugend-Haus Und hat der liebe Geist den ihre Schönheit rühret In ihre keusche Brust durch Priesters-Hand geführet.
Drauf kam er Seegens-Mund und Schloß die kluge That: Verliebt doch keusches Paar das nebst der Tugend hat In Schönheit sich verliebt du wirst in kurtzen schauen Wie durch sein schön Geschöpff Gott will Geschöpffe bauen.
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