Skip to content
1680–1721

Qvodlibet. E. N.

Christian Friedrich Hunold

Lerne viel. Sage wenig. Höre alles Schreib doch den edlen Spruch mit güldnen Littern an Und wer ihn practiciren kan Den wil ich einen Weisen nennen.

Wenn sich die Kinder einmahl brennen So fürchten sie das Feuer. Der Freunde sind sehr viel Doch sind sie schrecklich theuer

Das macht der Eigennutz verderbet alles Spiel. Von Freunden in der Noth Gehn funffzig auff ein Loth Doch sol es hart und klemme stehn

So werden hundert auff ein Qvintlein gehn. Gemahlte Blumen riechen nicht Geschminckte Larven tauren selten Kein Freund wird einen Creutzer gelten

Der anders denckt und anders spricht. Gemahlte Blumen riechen nicht. Wer nichts hat der ist nichts schuldig In der Arbeit nur gedultig

Und da gehet treue Hand Sicher durch das gantze Land Weil das Sprichwort doch besteht Besser betteln und bitten

Als zu spät Capreolen an Galgen geschnitten. Ich bin Hanß ohne Sorgen Weil mir die Leute borgen

Und weil ich noch kan stehlen So wird wir wenig fehlen Allein von Hengelbeeren Mag ich durchaus nichts hören.

Gute Nacht Fuchs! Gold ist Gold und bleibet Gold Wenn es gleich im Kothe liegt: Ist dir auch kein Mädgen hold

Sey darüm nicht unvergnügt. Ein garstger Leib trägt einen schönen Rock Ein armer Rittersmann verdient ein theuer Pferd Ein höltzerner Bock

Ist einer guldnen Ziege werth. Ein Gläßgen mit Weine vertreibet die Grillen Man suche nur Mittel den Kummer zu stillen Es wird mir versichert nichts kräfftigers seyn

Drüm lob' ich ein Gläßgen und liebe den Wein. Verfolget dich der Neid Erwarte nur der Zeit Es wird sich alles schicken.

Man wird gedrückt man wird auch wieder drücken Ob mich die Hunde neiden Ihr Bellen fährt in Wind dahin Wenn ich ein Amboß bin

So muß ich als ein Amboß leiden Doch wenn das Glücke mich zum Hammer macht So schlag' ich zu daß alles kracht. Verliebten wird ein Tag als wie ein Jahr so lang

Kein Frauenzimmer ist so kranck Daß auf den Rücken nicht noch köndte liegen. Sechs fette Küh und vier gemäste Kälber Sind zehnmahl noch so gut

Als zehen dürre Ziegen. Drey Dinge thun sich selber Wer sie nicht selber thut: Den Podex wischen

Die Hände trocknen Und endlich ein Mädgen von siebenzehn Jahren Mit einem jungen Manne paaren. Feuer Lieb und Hertzens-Pein

Können nicht verborgen seyn. Wer nach der Tugend strebt des Ruhm wird ewig seyn Sie schliest die Ewigkeit in ihre Circul ein. Nun weichet die nichtige Liebe der Jugend

Ich Liebe die Bücher und Küsse die Tugend Und wenn sich der Frühling zur Arbeit gewöhnt So bleibet der Winter mit Seegen gekrönt. Immer an der Erden kleben

Ist ein Bestialisch Leben. Unser Leben thun und Tichten Muß sich nach dem Himmel richten. Unverzagt!

Es sticht Nicht alles Eisen Und alle beisen nicht Die uns die Zähne weisen

Ein Pfennig in der Büchse Turniret noch einmahl so sehr Als wenn er gantz voll Thaler wär. Wo keine Hasen sind da spicket man die Füchse.

Man muß ein bißgen kühne seyn Gleich durch geht man am besten: Ein reintlich Schwein Wird sich gar mager mästen

Und eine saubre Hand Fährt stets in einen leeren Beutel. Es ist bekandt: Die gantze Welt ist eitel

Das macht weil sie voll eitel Narren ist Ach Prüffe dich ob du nicht einer bist. Eine Rose machet keinen Crantz Ein paar Bein e keinen Tantz

Und wenn man nur ein eintzig Mädgen-Küst So weiß man nicht was lieben ist. Bedächtig zum Beutel geschwinde zum Hute Belehnt mit einem Ritter-Guthe.

Wer sparen und sich schmiegen kan Dem führet das Glücke die güldene Bahn. Ein Schneider saß in guter Ruh Und da kroch eine Lauß herzu

Die drohet ihm den ärgsten Todt. Der Schneider war in Angst und Noth Doch fast er sich bald einen Muth Er nahm sein Schild den Finger-Hut

Die Nadel war sein blancker Spieß Wormit er schrecklich um sich stieß. Der Strit gieng an der war sehr scharff Biß er die Lauß zu Boden warff.

Er brachte sie erbärmlich um Das gab den Schneider grossen Ruhm. Wer hatt' ihm dieses zu getraut? Er zieht ihr endlich ab die Haut

Und macht sich ein paar Hosen draus. Ach! Schade vor die arme Lauß. Noch eins: Das

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Qvodlibet. E. N. · Christian Friedrich Hunold · Poetry Cove