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1697

Ode von der Freundschafft. E.N

Christian Friedrich Hunold

Vergnüget euch ihr eitlen Sinnen Wohin euch die Begierde treibt. Mein Hertz soll einen Schatz gewinnen Wo sein Vergnügen ewig bleibt.

Denn mein Gemüthe soll die Freundschaft treuer Seelen Zu seiner beständigen Losung erwehlen. Man mag sich nur bezaubern lassen Wo Gold ein schnödes Blendwerck macht:

Wer hier will sein Vergnügen fassen Der haßt den Tag und liebt die Nacht. Nein mein Gemüthe soll die Freundschafft treuer Seelen Zu seiner beständigen Losung erwehlen.

Und wer sich schnöde Lust will suchen Hat sich ein üppig Ziel gesteckt. Die Tugend heißt mich das verfluchen Was ihren Purpur Glantz befleckt

Ach mein Gemüthe soll die Freundschafft treuer Seelen Zu seiner beständigen Losung erwehlen. Die Liebe blendet vieler Augen Wodurch ein edles Hertz verdirbt.

Da muß man Gifft aus Rosen saugen Biß endlich alle Freundschafft stirbt. Nein mein Gemüthe soll die Freundschafft treuer Seelen Zu seiner beständigen Losung erwehlen.

Hier wechseln sich die gleichen Hertzen Und so vermählt sich Blut und Blut. Wo gleiche Lust und gleiche Schmertzen Da findet man ein edles Gut.

Ja mein Gemüthe soll die Freundschafft treuer Seelen Zu seiner beständigen Losung erwehlen. Mein Sinn tritt alle Pracht mit Füssen Und sieht das Glück verächtlich an

Wenn ich das Glücke nur geniessen Und wahre Freundschafft küssen kan. Ach mein Gemüthe soll die Freundschafft treuer Seelen Zu seinem beständigen Losung erwehlen.

Wo ist die Seele die mich liebet? Welch Hertz schließt mit mir einen Bund? Hier ist mein Hertz das sich ihm giebet Beständigkeit legt selbst den Grund.

Denn mein Gemüthe soll die Freundschafft treuer Seelen Zu seiner beständigen Losung erwehlen. Die Tugend schmiedet selbst die Ketten Und fesselt uns durch ihre Hand.

So hanget Hertz an Hertz wie Kletten Und trotzt ein Demant festes Band. Soll mein Gemüthe nicht die Freundschafft treuer Seelen Zu seiner beständigen Losung erwehlen?

Verbundne Seele laß dich küssen Verknüpftes Hertze küsse mich. Das Bündniß stehrt unzerrissen Du bist auch todt mein ander ich.

Denn mein Gemüthe soll die Freundschafft treuer Seelen Zu seiner beständigen Losung erwehlen.

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