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1680–1721

D ergleichen über ihre Untreu.

Christian Friedrich Hunold

Kan wohl ein sterblicher von mehrern Unglück wissen? Wenn mein Vergnügen stirbt so leben Angst und Noth: Mein Licht verbirget sich doch nicht die Finsternissen Mein Leben selber flieht so martert mich der Todt.

Das Liebste will mein Feind die Feinde Freunde werden Die Furien sind da die weil mein Engel fleucht Die Meisterin verbannt den Schüler von der Erden Weil er den Griffel nicht mit puren Gold bestreicht

Doch dein Magnet ist falsch wenn er nur Gold will ziehen Wie zog er denn zu vor auch Fleisch und Blut an sich? Die Nadel darf sich sonst nach Norden nur bemühen Und hier ist Kupffer mehr als kostbar Ertz vor dich.

Doch kan man schlecht Metal nicht auch zu Golde machen? Ach ja wer mit den Stein der Weisen ist beglückt: Und hab' ich diesen nicht? Erinnre dich mit lachen Wie offt du ihn so wohl mit deiner Hand gedrückt.

Doch dein Gedächtniß ist dem Monde gleich zu schätzen Es nimmet bey mir ab bey andern wird es voll. Nun will der Geist den Leib in gleichen grade setzen Und deinem Hochmuth dient nur fremder Liebes-Zoll.

Die Venus kan mich zwar nicht ihren Stiff-Sohn nennen Sie lässet der Natur die steiffen Zügel nach. Doch Hymens Fackel darf bey solcher Gluth nicht brennen Der Juno Tempel weißt den Weg zum Schlaff-Gemach.

Ach köndte meine Hand so kostbar Weyrauch streuen So würde mir dein Schooß noch zum Altar gereicht: Ich müste Gold-Tinctur wie Perlen Tropffen speyen Weil Lieb und Gelbesucht nur bey den Mitteln weicht.

Doch fülle nur die Hand und hüte dich für Pillen Die nach neun Monate die Würckung lassen sehn Die Mässigkeit kan auch den Liebes-Hunger stillen Sonst wird Verrähterey durch eine Wieg' entstehn.

Nun meine Sorgfalt kan nicht deinen Zorn verdienen Du liessest mich ja sonst darum bekümmert seyn. Ich fragte: Will es noch in guten Wohlseyn grünen? Blöst Zephirs Lieblichkeit auch kühle Lufft hinein?

Wie schlägt der Pulß auch noch? Wie schreiben sich die Zeiten? Bleicht irgends Purpur roht die Rosen im Gesicht? Wie thut es dir auch weh im Tantzen und im Schreiten? Und was die Liebe mehr von dieser Sache spricht.

Nun konte dieser Schertz dir eine Lust erwecken? So höre meinen Raht der auf dein bestes denckt. Das Paradiß ist schön wo keine Schlangen hecken Und dessen enge Thür den schwersten Zutritt schenckt.

Allein mir scheint bereits wie Leipzig zu den Garten Vielleicht was höhers auch den Schlüssel finden kan. Was muste meine Hand denn deine Rose warten? Und warum schaut' ich sie nur ungebrochen an?

Dein Haven war zuvor mit Ketten zugeschlossen Die Zucht und Ehrbarkeit in ihrer Schmiede macht. Doch diese hat der Feind mit weichen Qvarck zerschossen Weil Geilheit auff der Hut zu deiner Schande wacht.

Ein jeder weiß zwar nicht dein Ufer zu erreichen Wo güldne Flaggen wehn da geht es glücklich fort; Denn Tugend muß anitzt die schlaffen Seegel streichen Die Silber-Flotte kömt allein an deinen Port.

Mein Ancker kan sich nicht zu deinen Grund gesellen Weil ihn vor pures Gold ein schlechter Stahl beschwert: Du bist Cleopatra die statt den keuschen Wellen Nur auff das Wollust-Meer in güldnen Schiffe fährt.

Doch heisset die Vernunfft dich nicht den Ausgang scheuen Da dir die Natern schon den schönen Leib ümringt? Die in den Busen-Milch und Gifft in Brunnen speyen Davon der Keuschheit-Schloß in tausend Stücken springt?

Nein nein du hörest nichts von reinen Turtel-Tauben Ein lustger Sperling kömt dir angenehmer vor. Wer treu und redlich liebt verliehrt bey dir den Glauben Nur der Sirenen Klang hat ein geneigtes Ohr.

Ich bin in deiner Gunst Menandern gleich gewesen Der ob er noch so viel von Thats Schönheit schreibt So dürffen andre doch die besten Blumen lesen Da mir ein kahler Griff vor alle Mühe bleibt.

Nun wirffstu mirtzwar ein: daß unter allen Sinnen Ja der Empfindlichste das süsse Fühlen sey: Doch dieses mehrt den Schmertz denn Zeit und Glück zerinnen Ich darff der rechten Lust nur in Gedancken bey.

Was aber hilfft es mir dich in Gedancken küssen? Was bau' ich in die Lufft ein andrer auff die Brust? Was beiß ich mich denn stumpff an lauter tauben Nüssen Ein Traum schwächt nur den Leib doch nicht die heisse Lust.

Nun wolt' ich zwar nicht erst die keusche Muschel brechen Biß mir des Priesters Hand die Perle draus verehrt; Allein wo schon der Wurm die Aepffel darff zerstechen Da speist man lieber mit eh' alles wird verzehrt.

Die Ehe-Bande sind vor dir zu starcke Stricke Dadurch ein freyer Geist in Enge Schrancken muß: Drüm fliehst du auch den Stand und loh Die nicht vergüldet sind mit lauter Uberdruß.

Nun weiß mein Glücke gleich nicht wie ich wil zu grünen So sehe mich doch nur als als einen Diener an: Denn hab' ich gleich kein Geld muß dir doch einer dienen Der deiner Wechselbanck das Zahlbret halttn kan.

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