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1697

Cantata von der Zufriedenheit

Christian Friedrich Hunold

Ein edler Mensch ist Perlen-Muscheln gleich: In sich am meisten reich. Ruhig und in sich zufrieden Ist der gröste Schatz der Welt.

Nichts geniesset der geniesset Was der Erden Kreiß beschließet Der ein armes Hertz behält. Ruhig und in sich zu frieden

Ist der gröste Schatz der Welt. Ihr Seelen die ihr ausser euch Stets in der Irre lausset; Und vor ein Gut das Schatten reich

Den Reichthum des Gemüths verkaufet Die der Begierden Macht umschlossen hält Durchsuchet nur die gantze Welt Ihr suchet was ihr nicht könt kriegen

Und kriegt ihrs kans euch nicht vergnügen. Vergnügt es wird es euch betrügen Und muß zuletzt wie Staub zefliegen. Wer seinen Schatz bey andern hat

Ist einem Kaufmann gleich: Aus andrer Glücke reich. Bey dem hat Reichthum wenig statt Der wenn er nichts stets Banquerott erlebt

Doch solchen zu erleben In steten Sorgen schwebt. Geld Wollust Ehre sind nicht sehr In dem Besitzthum zu betrachten

Denn Tugenhafft sie zu verachten Ist unvergleichlich mehr. Du Schätzbarkeit der weiten Erden Laß meine Seele ruhig seyn.

Bey dem kehrt selbst der Himmel ein Der in der Armuth reich kan werden. Schwer ist es zwar viel eitles zu besitzen Und nicht aus Liebe drauf die strafbar zu erhitzen

Doch schwerer ist es noch Daß nicht Verdruß und Sorgen Centnern gleicht Eh' ein Ergetzen welches leicht Ist zu erlangen.

Und hört es auf So wie der Welt und ihrer Schönheit Lauf So folgen Centner Grillen drauf. In sich gegangen

In sich gesucht Und sonder des Gewissens Brandt Gen Himmel sein Gesicht gewand. Die Muscheln öfnen sich wenn Strahlen darauf schiessen

Und zeugen dann in sich die Perlen Frucht: So suche nur dein Hertz dem Himmel aufzuschliessen So wirst du durch sein göttlich Licht Ein Kleinod auch empfangen

Das aller Erden Schätze nicht Vermögen zu erlangen. Meine Seele sey vergnügt Wie es Gott auch immer fügt.

Dieses Welt-Meer zu ergründen Ist Gefahr und Eitelkeit: In sich selber muß man finden Perlen der Zufriedenheit.

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