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1680–1721

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Christian Friedrich Hunold

Printzessin! Deren Pracht was irdisch heist erfüllet! Printzessin! Die die Welt als Wunder-Göttin kennt. Printzessin! Deren Glantz die Nacht in Tag verhüllet Und die der Himmel selbst die andre Sonne nennt!

Will meine Niedrigkeit sich biß zum Sternen tragen Und sucht ein blasser Mond hier deinen güldnen Schein: Will sich die Finsterniß zu deinen Lichte wagen So dencke doch es muß bey Sonnen-Schatten seyn.

Die Banden meiner Furcht hat eine Gluht verzehret Die mir zum Lebens-Port und Grabe leuchten kan. Erzürnest du daß dich ein schlechter Knecht verehret So sage mir nur gleich des Todes Urtheil an.

Verliebt und furchtsam seyn ist tadlens wehrt zu schätzen Wer seine Noht verschweigt verdirbt durch eine Schuld. Es kan mich deine Hand ins Reich der Freuden setzen Schlägt sie es aber ab so sterb' ich mit Gedult.

Allein betrachte nur was ich allhier begangen Und daß du wunderschön und ich nur Menschlich bin. Erwege daß dein Strahl mich zwunge Gluth zu fangen Es risse seine Macht mich zu den Flammen hin

Ein kaltes Spiegel-Glaß muß durch die Sonne brennen Da dessen Gegenstand dem Freuer nicht entgeht: Und Menschen müssen den nur einen Unmensch nennen Der als ein Brennglaß nicht bey deiner Sonnen steht.

Zwar sucht ein Menschen Mund bey Göttern sich zu weyden Geht mein verliebter Geist auff allzuhoher Bahn: So kan die Venus doch Adonis Küsse leiden Und Amor schaut den Stand wie Gauckelpossen an.

Der Liljen weisser Schmuck muß offt bey Nesseln prangen Bey Tulipanen Pracht bey schönen tausend-schön Kan wilder Thymian auch einen Platz erlangen Und Majoran darff wohl bey Käyser Cronen stehn.

Aus schlechten Dünsten macht die Sonne Regenbogen; Der kostbarste Magnet zieht den geringsten Stahl: Die Liebe bleibt dem Rang und Ehrgeitz ungewogen Und legt den Reben-Stock üm einen wilden Pfahl.

Sie macht die Wüsteney zu einen Lust-Gefilde Und unsern Sclaven-Stand den hohen Fürsten gleich. Den Herrn zum Unterthan den Jäger selbst zum Wilde Gesetze gelten nicht in ihren Königreich.

Was hier die Feder setzt sind nur erzwungne Zeilen Die Hand schreibt nicht vor sich du führest sie allein Und will ich nun damit zu deinen Füssen eilen So dencke nur ich muß ich bin nicht selber mein.

Die Wunden so mich schmertzt hat mir ein Blick geschlagen Der auch ein Felsen Hertz wie Wachs zerschmeltzen kan: Dein schöner Mund darff nicht nach Zeit und Orte fragen Du weist wohl wenn du mich zum Sclaven nahmest an.

Man hielte dazumahl ein prächtges Vogelschiessen (doch mein getroffnes Hertz war deiner Pfeile Ziel) Und eine Schönheit war dabey so hoch gepriesen Daß ich im Geiste schon zu dero Füssen fiel.

Ich suchte denn so lang in diesen Wunder-Auen Biß Leonora mich und ich sie konte sehn. Ach daß ich Adlern gleich in Sonnen wolte schauen Und wuste nicht wie mir durch einen Strahl geschehn!

Die Augen musten sich verblendet niederschlagen Die Augen die die Glut dem Hertzen mitgebracht Die Augen sind allein die Ursach meiner Plagen Ach daß ich mich zu kühn zu deinen Licht gemacht!

Die Freyheit war der Brust dem Augenblick entführet Ein Schmertzen-reiches Ach! kehrt wieder bey mir ein. Wie Furcht Verzweiffelung und Gram die Seele rühret Wird Farb' und auch Gestalt bey mir Verrähter seyn.

Ich bin ein bloses Nichts ein Schein und leerer Schatten Die Sinnen irren stets ich weiß nicht wo ich bin. Bey Tage will mein Geist sich mit der Sonnen gatten Die Träume führen mich zu deinen Zimmer hin.

Die Freude nimmt man mir die Qvaal ist unbenommen Ach Göttin! lege doch ein Gnaden Pflaster drauff: Bin ich aus Liebe nur in deine Banden kommen So löse sie doch auch aus Liebe wieder auff.

Ich falle hier als Knecht zu deinen zarten Füssen Es kniet jetzt vor dir ein treuer Unterthan Laß deiner Hoheit-Glantz doch meine Demuth grüssen Nimm mich bey deinen Strahl zu einen Kleeblat an.

Der Schönheit Wunderwerck der Tugend-Kostbarkeiten Und was den Göttern mehr als Menschen ähnlich ist Wil einen Sammel-Platz in deiner Brust bereiten Ach! daß dich Wehmuth auch als eine Schwester küßt.

Wil mich dein strenger Blitz in Staub und Aschen wissen Spricht denn dein schöner Mund mir alle Hoffnung ab; So laß mich nur zuvor dein schönes Auge küssen So küß' ich wie du wilt hernach auch Tod und Grab.

Doch nein mein Fehler muß den schönsten Uhrsprung kennen So schliest das Ende nicht ein frühes Sterben ein: Denn muß dich nicht der Neid den Himmel selber nennen? Drüm was von Himmel stammt muß schön und ewig seyn.

Ich warte nun bereits auff die erwünschten Stunden Da ich in Fesseln soll vor meiner Göttin stehn. Hat meine Noht alsdenn ein gnädig Ohr gefunden So kan ich höchst vergnügt zum Freuden-Himmel gehn.

Doch soll die Kühnheit ja mit Blut gebüsset werden; So ätze mir zum Ruhm auff meinen Leichen-Stein: Des Himmels Ebenbild ein Engel dieser Erden Heist mich durch Schönheit hier des schönsten Todes seyn.

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