Naemi sprach einsmals zu ihr: Solt ich nicht darnach sehen Mein Tochter Ruh zu suchen dir Daß es dir wol mög gehen?
Nun wolan merck was ich dir sag Der Mann bey dem du g'wesen Vnd bey des Dirnen diese tag Du Korn hast auffgelesen
Boas unser verwandter Freund Des Nam'n du wol thust kennen Der wird sein Gersten worfflen heint Diese nacht auf der Tennen.
So folg mir liebe Tochter nun Es soll dir seyn ohn schaden Was du zu dieser zeit solt thun: Nemblich du solt dich baden
Auch salben und ziehn an dein Kleid Vnd gehn hin auff die Tenne Doch merck wol die gelegenheit Auff daß dich niemand kenne
Biß Boas wol getruncken hat So merck den Ort gar eben Dahin er sich zu Abends spat Zu schlaffen thut begeben.
So kom alßdann und lege dich Sein Füß soltu auffdecken Wenn er denn wird besinnen sich In dem du jhn thust wecken
So wird er wol anzeigen dir Was du solt ferner machen. Gehorch mein liebe Tochter mir Vnd folg in dieser Sachen.
Die Ruth nam diß in guter acht Vnd wolt nicht widerstreben Sprach: was ihr itzt zu mir gesagt Dem will ich folgen eben.
Also ging sie auffs best geschmückt Hinab auff Boas Tennen Weils Abend war es ihr auch glückt Daß niemand sie thet kennen.
Vnd da Boas gelebt frölich Getruncken hatt und gessen Wolt er zur ruh begeben sich Vnd legt sich nach dem essen
Hindr einen Mandl und Gersten hauff. Ruth merckt den Ort mit fleisse: Sie kam und deckt sein füsse auff Vnd legt sich zu ihm leise.
Da es nun kam zur mitter-nacht Ward Boas solches innen Als er von seinem schlaff erwacht Kont sich doch nicht besinnen.
Erschrack des ohne masse sehr Wandte sich hin und wider Vnd sieh ein Weib sah ligen er Bey seinen Füssen nider.
Er sprach: Wer bist? Was machstu hie? Gib dich mir zu erkennen. Ich ewer Magt Ruth antwort sie Bin kommen in die Tennen.
Breit uber mich ewr Flügel nun Daß ich eur gunst erwerbe. Von Rechts wegen solt ihr es thun Dieweil ihr seyt mein Erbe.
Er sprach zu ihr: Gesegnet seyst Mein Tochter von dem Herren Grösser gutthat hast itzt beweist In dem du mich in Ehren
Begerst und zu mir kommen bist Gegn mich mit Lieb umbfangen Vnd keines wegs auß böser lust Den Jünglingn nachgegangen.
Darumb solt gar nicht fürchten dich Alles nach deinem willen Was du gesagt will trewlich ich Verrichten und erfüllen.
Die gantze Stadt meins volckes weiß Daß du ein Weib auffrichtig Vnd tugendsam bist das mit fleiß Sich stets verhalten züchtig.
Wahr ist ich bin der Erb wie du Sagst doch solt du auch wissen Einer gehört dir näher zu Dem werd ichs kundt thun müssen.
Nimt er dich morgen so will ich Hierinn nicht widerstreben: Wo nicht so will ich nehmen dich So wahr der Herr thut leben.
Daran solt gar nicht zweiffeln du Schlaff nur ohn furcht und sorgen. Sie legt sich nieder da zu ruh Vnd schlieff biß an den morgen.
Darnach eh es ward tag und liecht Sie auß dem schlaff erwachte Ehe einr den andern kennen mücht Sie sich vom Bett auffmachte.
Boas hatt sie geweckt so früh Gedacht ich möcht mich schemen Daß ein Weibs-bild gewesen hie Niemand soll diß vernehmen.
Er sprach: lang her dein Schürtztuch mir Das du hast umbgeschürtzet. Sie hielt es ihm alßbald Er ihr Drinn sechs maß Gersten stürtzet.
Legts auff sie ließ sie von ihm gehn Im tunckel und verborgen. Sie kam da man noch nicht kont sehn Zur Mutter früh am Morgen
Die sprach zu jhr: wie stehts mit dir Vnd wie bistu empfangen? Das sag mein liebe Tochter mir Wie ist es dir heint gangen?
Ruth zeigt Naemi solches an Vnd sagt ihr alles eben Was ihr gethan Boas der Mann Vnd was er ihr hatt geben.
Sechs Maß Gersten sprach sie gab er Mir die hab ich genommen Denn er sprach du sollt itzt nicht leer Zu deiner Schwieger kommen.
Naemi sprach: sey du nur still Du wirst es bald erfahren Wie sich der handel schicken will: Kein fleiß wird Boas sparen
(Weis ich gewiß) und ruhen nicht Biß er noch heut am Tage Diß alles hab glücklich verricht Dran ich kein zweiffel trage.
Cookies on Poetry Cove