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Capvt 2

Anna Ovena Hoyers

ES war ein Mann vernehmet recht Tapffer und reich von Güter Eli Melechs freund von geschlecht Auch ein Bethlehemiter.

Ein feiner Mann Boas genandt Der ließ auch Gersten schneiden; Naemi war er wol bekandt Die mit Ruth saß in leiden

Einsam und beyde nehrten sich Durch das werck ihrer hände Wie arme Witwen kümmerlich Pflegen in ihrm Elende.

Es war gering ihr beyder sach Vormals besser gewesen Darumb Ruth zu Naemi sprach: Last mich gehn und aufflesen

Ähern auffs feld dem nach für dem Ich gnad und gunst itzt finde Vnd da ich seyn werd angenehm Im feld bey dem Gesinde.

Geh hin mein Tochter antwort sie Ich will es dir nicht wehren Bring was zu hauß daß wir uns hie Mögen davon ernehren.

Sie ging hin merckt doch was geschicht Vnd kam auff Boas Acker Jedoch den Mann sie kante nicht Sie laß die ähern wacker

Den Schnittern nach. Boas der Mann Von Bethlehem kam gangen Er sprach die Schnitter also an: Was ihr habt angefangen

Das geh in Gottes Namen fort Der sey mit euch im wercke. Danck habt war wider jhr antwort Der Herr sey ewer stärcke.

Boas sah Ruth auch da im Feld Vnd sprach zu seinem Knaben Der ubr die Schnitter war gestellt: Was will die Dirne haben?

Wes ist sie? Der Knab gab bescheit: Sie ist hab ich vernommen Die von Moab vor wenig zeit Ist mit Naemi kommen.

Ferner der Knab zu Boas sprach: Sie ist hie heut gewesen Bey uns im Feld den gantzen Tag. Die ähern auffzulesen

Den schnittern nach; dieweil sie mich Drumb bath ihr diß zu günnen Solch ihre bitt an mich hab ich Ihr nicht abschlagen können.

Fleißig ist sie gewesen heut Es geht ihr wol von handen Von morgen biß auff diese zeit Ist sie bey uns gestanden.

Da ging Boas selbst hin zu ihr Sprach mit freundtlichen worten: Meine Tochter gehorche mir Vnd bleib an diesen Orten

Es soll dir nichts zu leid geschehn Darumb geh' nicht von hinnen Mit meinen Dirnen soltu gehn Die dich anleiten können

Da sie schneiden geh' jhnen nach Dem Volck hab ich gebotten Daß keiner dich antast er sprach Oder sonst soll verspotten.

Vnd so dich durst geh hin zum krug Vnd trinck mit meinen Knaben Es wird für dir auch seyn genug Dein hertz damit zu laben.

Da fiel sie auff ihr angesicht Demütig sie ihn ehret Sprach: Ich hab je verdienet nicht Das mir itzt widerfähret

Ich weiß auch nicht in meinem sinn Womit ich gnad bekommen Die ich doch hie ein Frembde bin. Er sprach ich hab vernommen

Daß du nach deines Mannes todt Hast wollen nicht verlassen Dein Schwieger Mutter in der noth Sondern mit jhr die strassen

Gezogen bist im frembden Landt Hast ihr viel guts erzeiget; Bey einem Volck dir unbekant Zu bleiben bist geneiget.

Der Herr vergelt dir deine that Vnd mach dein lohn vollkommen: Der zu dem Herren Zuflucht hat Wird von jhm angenommen.

Israels Gott sey immer zu Dein Hülff und Trost im leben; Vnter des flügeln jtzund du Dich hast zu wohnen geben.

Ruth sich der wort erfrewen thet Vnd antwort jhm demütig: Wie freundlich hat mein Herr geredt Vnd ist mir doch so gütig.

Nun ich für ewren augen gunst Vnd gnade hab gefunden Wird von mir nichts begehret sonst Mein Leid ist mir verschwunden.

Was solt ich doch begehren mehr Denn ewer Gunst alleine? Weil ich geringer bin mein Herr Als ewer Mägde eine.

Er sprach zu jhr: Wenns essen zeit Ist solt dich auch hernahen Vnd bey dem Volck nach der arbeit Dein speise mit empfahen;

Ihrer freyheit dich mit gebrauch Vnd tuncke deinen bissen In essig wie die andern auch So speiß einnehmen müssen.

Sie nam diß an mit danckbarkeit Darüber sich ergetzte Vnd da es war zu essen zeit Sie sich mit nieder setzte.

Boas legt selbst zu essen für Sie aß er ließ jhm langen Gedörte ähern gab er jhr Die man sonst nennet Sangen:

Sie aß sich mit den andern satt Stund wieder auff zu lesen Von Sangen sie noch uber hatt Die zur mahlzeit gewesen.

Boas zu seinem knaben sprach: Ihr solt sie nicht beschämen Sondern lasset was bleiben nach Davon sie mög auffnemen;

Auch von dem hauffen ligen last Als ob jhr es nicht achtet; Sie ist bey uns frembd wie ein Gast Ihr noth bey euch betrachtet.

Also lase sie fleissig auff Vnd war dasmal zum ersten So sie gesamlet hatt zu hauff Bey einem Epha gersten;

Da sie es hatt geschlagen auß Sie hub es auff zu tragen Kam damit in die Statt zu hauß: Naemi sprach mit fragen

Da sie diß all's gesehen hatt Vnd von der Ruth empfangen Das davon sie war g'worden satt Auch g'blieben nach von Sangen:

Mein Tochter wo bist g'wesen heut Vnd wo bistu herkommen? Es müssen g'wiß seyn gute Leut Die dich hab'n angenommen.

Sie gab es zuerkennen ihr Sprach: da ich hab gelesen Vnd der diß all's hat geben mir Ist der Boas gewesen.

Naemi sprach zu ihrer Schnur Der Mann ist mein bekanter Mein Tochter sey zu frieden nur Er ist meins Manns Verwanter

Vnd Erb ein solcher frommer Mann Der nicht hat unterlassen Sein Gütigkeit zu zeigen an Thut unser sich anmassen.

An den Todten und Vns hat er Barmhertzigkeit beweiset; Geseg'n ihn dafür Gott der Herr Den er mit gutthat preiset.

Ruth wieder zu Naemi sprach Der Mann sagt mir imgleichen Ich solt sein'n Dirnen folgen nach Vnd nicht von ihnen weichen

Biß alles Korn zu hauß gebracht Solt auch mit jhnen essen Solch wort hat er zu mir gesagt Die ich nicht kan vergessen.

Naemi sprach ja das ist gut Daß du mit jhnen gehest; Niemand dir da einreden thut Wie du diß wol verstehest.

Also die Ruth zu ihnen sich Bald widerumb gesellte Vnd laß wie vor geredet ich Da ähren auff im Felde

Bey Boas Volck: wolt zu der zeit Auff ander Feld nicht gehen Biß daß an Gerst und Weitzen beid Die Ernd da war geschehen.

Darnach sie zu Hauß wider kehrt Naemi zu ernehren Die sie als jhre Mutter ehrt Wolt nicht mehr auß begehren.

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