ZV der Zeit oder in den Jarn Da die Richter regierten (Weil damals noch kein König warn Die das Regiment führten)
Ward mangel am täglichen Brot Bey den Israëlitern. Wegen derselben Hungersnoth Zog zu den Moabitern
Ein Bethlehemitischer Mann Eli Melech mit Namen Als ein Frembdling kam er da an Sein Söhn auch beyd zusamen
Folgten dem Vater ohn Verdrieß Es war ihn nicht zu wider; Auch sein Weib das Naemi hieß Ließ sich bey ihm da nieder.
(Hie haben ein Exempel wir Gar schön daß gleicher massen Einem ehrlichen Weib gebühr Ihrn Mann nicht zuverlassen.)
Wie sie nun meynten in der Ruh Ihr Nahrung zu erwerben Da sandte Gott ungluck herzu Vnd ließ den Mann hinsterben.
Naemi zu derselben zeit Blieb sitzen nach im Leide Im Witwenstandt voll trawrigkeit Mit ihren Sönen beyde
Die Mahlon und Chilion genant Vnd ihnen liessen trawen Zur Eh daselbst im frembden Land Zwo Moabitsche Frawen.
Arpa die ein mit namen hieß Ward dem Chilion gegeben Der Mahlon sich mit Ruth einließ Ehlich bey ihr zu leben.
Bey zehn jahr hört doch was geschach Wohnten die beyde Brüder Im Land Moab da kam hernach Von Gott das ungluck wider
Die jungen Männer sturben hin Mahlon und Chilion beyde. Naemi wust in jhrem Sinn Das mal von keiner Frewde
Denn sehr groß war jhr hertzenleid Weil sie so gar verlassen Von jhren lieben Sönen beyd Vnd vom Mann gleicher massen.
Sie macht sich auff zog wider fort Auß von den Moabitern Weil die Thewrung hatt auffgehort Bey den Israëlitern
Vnd widerumb da war Getreid Davon sie kondten leben; Drumb sie sich da zur selben zeit Wolt wider hin begeben.
Ihr zwo Sohns Frawen folgten ihr Vnd liebten sie mit Trewen Naemi sprach: Zieht nicht mit mir Hernach möchts euch gerewen:
Kehrt widerumb in ewer Stadt Der Herr woll euch beywohnen: Die grosse liebe und Wolthat Euch wiederumb belohnen.
An den Todten vnd auch an mir Habt jhr viel guts geübet Gott geb jeder ein Mann dafür Von dem sie werd geliebet.
Also küsset Naemi sie: Die beyde junge Frauwen Gaben mit weinen Antwort wie? Wolt ihr uns das zutrawen?
Vnser hertz ist zu euch gericht Wir wollen nicht umbkehren Seyt uns darinn zu wider nicht Wolt uns dasselb nicht wehren.
Sie antwort: Warumb wolt ihr doch Gehn mit mir alten Weibe? Werd ich denn auch itzt haben noch Mehr Söhn in meinem Leibe
Die ewer Männer möchten seyn? O nicht! drumb zieht von hinnen Vnd last mich armes Weib allein Thut euch doch recht besinnen;
Wenn ich mir gleich die Hoffnung macht Mehr Kinder zu erlangen; Ja wenn ich mich auch diese nacht Ließ von einm Mann umbfangen;
Ja wenn ich auch schon allbereit Itzt Söhne hett geboren So wern sie doch noch klein zur Zeit Ewr warten wer verloren.
Wiewol mir ubel ist zu muth Groß noth hat mich umbfangen; Dieweil des Herren Hand und Ruth Ist wider mich außgangen.
Weinend sie diese Wort außbracht Die zwo hatten mitleiden; Die Arpa aber sich bedacht Küßt Sie im hinwegscheiden.
Ruth aber hatt ein andern Sinn Zu bleiben sie begehret Naemi sprach: Zeuch du auch hin Weil dein Schwägrin umbkehret
Zu ihrem Gott und Volck sie sprach Niemand wirds ubel deuten Daß du derselben folgest nach Vnd gehst zu deinen Leuten.
Ruth gab darauff zur Antwort jhr: Wie? solt ich gleicher massen Auch kehren umb? Gott sey dafür Daß ich euch solt verlassen.
Darumb mir nicht zu wider seyt Ich bitt last es geschehen Sey wo es woll nah oder weit Will ich mit euch hingehen.
Denn also hab ich mich bedacht Laß mich davon nicht treiben Wo jhr werd bleiben über Nacht Da will ich auch mit bleiben.
Ewer Volck soll auch mein Volck seyn Ewr Gott mein Gott imgleichen. Trewlich und gut ichs mit euch meyn Will nimmer von euch weichen.
An dem orth da jhr sterben werdt Vnd ewer ruhe haben Da will ich in derselben Erd Mich lassen auch begraben.
Der Herre thu mir das und diß Laß ichs dazu nicht kommen Der Todt euch und mich scheiden müß Mein meynung habt vernommen.
Alß nun Naemi mercket was Sich Ruth hat fürgesetzet; Ihrs leides sie zum theil vergaß Der Antwort sich ergetzet
Ließ ab mehr ein zu reden jhr Vnd gingen beid zusamen So lange biß sie nach begier Zu Bethlehem einkamen.
Die gantze Stadt diß bald erfahrt Vbr ihnen sich erreget Die Weiber da es lautbar ward Worden auch sehr beweget
Vnd sprachen zu ihr ist das die Naemi so vor Jahren Lang bey uns hat gewohnet hie? Was ist ihr wiederfahren?
Sie sprach: heist nicht Naemi mich Weil sich mein lust geendet Sondern Mara heist mich bitt ich Gott hat mein Hertz gewendet
Sehr bitter mir dasselb gemacht Vnd michs auffs höhst betrübet: Leer hat er mich zu hauß gebracht Vnd der Mann den ich liebet
Hat er von mir genommen hinn Beider Söhn mich beraubet; Von hertzen ich drum trawrig bin Ja mehr denn man mir glaubet.
Darumb bitt ich daß jhr nicht mehr Mich woll't Naemi nennen Denn wie mich hat betrübt der Herr Geb ich euch zu erkennen.
Es war aber zur selben zeit Zeitig und reiff der Samen Daß jedermann im Feld arbeit Da die beid wider kamen.
Die Gerstenernd ging eben an Hört wie Gott all's regieret: Wer ist doch der außreden kan Wie er die seinen führet?
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