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1883

Er singt ihr ein Morgen-Ständgen

Arno Holz

Vorüber ist die schwartze Nacht die bundte Flora wihder lacht der Döbber lokkt sein Weibgen; schon schafft sich mancher Schmetterling

an manchem süssen Bluhmen-Ding ein loses Zeit-verdreibgen. Cupido badet auch schon wach im silbernen Forellen-Bach

sein Kugel-rundes Leibgen. Von zahrtem Kummer hold geblagt hab ich gewartet biß es dagt zu dir bün ich geschlichen;

ümbsonst so such ich wehrtes Kind bey dihsem frühen Morgen-Wind nach Rohsen die dir glichen. Aurora die den Tau gesprängkt

der noch an allen Püschen hängkt ist lengst im Ost verblichen. Du warst die gantze letzte Zeit voll ohngemeiner Härtigkeit

trutz deiner siebzehn Jährgen. Noch niemahls hieltestu mir Stich drey Dage fast schon qwähl ich mich waß wären wir for Pärgen!

Ich gläub der Lemmel der Markolff der nechst dir übern Zaun verholff der draut mir nicht ein Härgen! – Verschlossen schweigt dein Kabinett

drin ligstu still-vergnügt im Bett derweil ich mich hihr harme. Ach künt ich doch itzt mit dir sehn der beyden Hügel stultzes Blehn

darzu die blancken Arme! Es ist fast würklich hihr noch kalt drümb offne mir den Fenster-Spalt darmit ich mich erwarme!

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