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1863–1929

Ein Bild.

Arno Holz

Die rothen Säulen aus Granit gehauen, Und seitwärts in ein weißes Piedestal Vergräbt ein Löwe seine Marmorklauen. Doch schwarz verhängt sind alle Fenster heut

Und Lichter brennen nur im Erdgeschosse, Der Straßendamm ist hoch mit Stroh bestreut Und lautlos drüberhin rollt die Karosse. Das Treppenhaus vertheidigt der Portier

Und schüttelt grimmig seine graue Mähne, Und naht gar Einer aus der Haute volee, Dann fletscht er cerberusgleich seine Zähne. Im Prunksaal trauern hinter Flor und Tafft

Die bunten Inderstoffe aus Lahore, Auch schleicht die goldbetreßte Dienerschaft Nur auf Spitzzehen durch die Corridore. Der hochgeborne Hausherr, Excellenz,

Schwankt wie ein Rohr umher auf bleicher Düne, Die erste Redekraft des Parlaments Fehlt heute abermals auf der Tribüne. Zwar trat man gestern erst in den Etat,

Doch hat sein Fehlen diesmal gute Gründe: Schon viermal war der greise Hausarzt da Und meinte, daß es sehr bedenklich stünde. Nach Eis und Himbeer wird gar oft geschellt,

Doch mäuschenstill ist es im Krankenzimmer, Und seine düstre Teppichpracht erhellt Nur einer Ampel röthliches Geflimmer. Weit offen steht die Thür zum Vestibul

Und wie im Traum nur plätschert die Fontäne, Die Luft umher ist wie gewitterschwül, Denn ach, die „gnä'ge Fraa“ hat heut — Migräne!

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