Wie er so traurig saß und sann. Es schaute ihn der Abend nur Und die ersterbende Natur. Von Zeit zu Zeit fuhr aus dem Strauch
Ihm übers Haar Novemberhauch, Und Blatt im Baum und Rohr im Ried Sang ihm ins Ohr ihr Schlummerlied. Er aber lauschte statt auf sie
Und ihre süße Melodie Nur in sein eigen Herz hinein Und war ganz mutterseelallein. Da trat zu ihm die dunkle Nacht
Und sprach es aus, was er gedacht. Das klang so ahnungsvoll bewegt, Wie wenn im Lenz die Drossel schlägt: „horchst du noch immer, Menschenkind,
Wie deine Wunde blutend rinnt? Und willst du nie nach Todeswehn Zu neuem Leben auferstehn? Sieh, dunkel schweigt um dich die Flur,
Und mit dem Tod ringt die Natur. Doch eh der Thau zum Zweiten fällt, Erglänzte abermals die Welt; Und schon nach wenig Monden hebt
Ihr Haupt die Erde neubelebt. Darum bescheide du dich still Und harre deß, was kommen will. Denn deines Lebens
Ruht noch im Schooß der Ewigkeit. Und naht sich einstmals ihre Stund, Und küßt dich leise auf den Mund, O, dann kehrt auch ins Herz zurück
Dir deiner Liebe todtes Glück!“ — So sprach die Nacht und schwieg darauf Und schaute zu den Sternen auf. Er aber sah sie traurig an,
Denn ach, er glaubte nicht daran. Er glaubte nur in seiner Noth An seines Seelenlebens Tod. Da winkte sie mit weißer Hand
Ihm einen Gruß noch und verschwand. Nun war es wieder still um ihn; Die weißen Nebel sah ich ziehn, Und droben aus dem Wolkenflor
Trat wunderbar der Mond hervor. Er sandte golden Strahl auf Strahl Herab auf Berg und Wald und Thal Und löste sanft in seinem Lauf
Des Fremdlings Weh in Wehmuth auf. Doch wie ich ihn nun weinen sah, Da ging mir's in der Seele nah! Ich wäre gern mit Rath und That
Dem weltverlornen Mann genaht Und hätte gern mit ihm getheilt Und ihm das kranke Herz geheilt. Doch leider Gottes ging's nicht an,
Denn ich war selbst der arme Mann!
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