Skip to content
1863–1929

6. „Weder Glück noch Stern!“

Arno Holz

Ein Träumer! milderte die Nachbarschaft Und nur sein Herzfreund sprach: Er war ein Dichter! Vor seinem Krankenlager aber saß Die bleiche Schwester der Barmherzigkeit

Und blickte sinnend auf ein Blatt Papier, Das gestern erst der flinke Telegraph, Mit seinen krausen Zeichen überdeckt, Und nur mit Mühe konnte sie entziffern:

„ihr erstes Stück! Ein Sensationserfolg! Berühmt mit einem Schlag! Wir gratuliren!“ Er aber, dem dies kleine Blatt Papier Die heißersehnte Botschaft künden sollte:

Glück auf, nun hast du nicht umsonst gelebt — Er schlief und sah es nicht, denn er war todt. Der dunkle Winterabend warf sein Licht Kalt durch die zugefrornen Fensterscheiben

Und spielte zitternd um ein Frauenbild, Das auf die bleiche Stirn des todten Dulders Unsäglich schön und mitleidsvoll herabsah. Darunter aber wand ein welker Kranz

Sich grün um ein vergilbtes Atlasband; Drauf stand, voreinst von Freundeshand geschrieben, Das Sprüchlein: Lorbeerbaum und Bettelstab!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
6. „Weder Glück noch Stern!“ · Arno Holz · Poetry Cove