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1863–1929

6.

Arno Holz

Fühl ich, wie tief ich dich geliebt, Und daß, wenn du sie mir nicht spendest, Es keine Lust mehr für mich giebt. Was soll mir noch des Maien Blüthe,

Da ich so krank bin im Gemüthe, Und was des Sommers Duft und Pracht? Ich mag nicht mehr den Schmelz der Auen, Ich will hinfort nur Eins noch schauen:

Das wüste Nebelgrau der Nacht! Mich lockte auf dem hohen Firne Der Lebenskrone goldner Glanz, Du aber preßtest in die Stirne

Mir ach, nur einen Dornenkranz! Verflucht durch dieses Kainszeichen, Werd ich nun durch das Leben schleichen, Das keine Freuden für mich hat;

Denn immer muß ich dein gedenken, Und nimmer will sich auf mich senken Die Taube mit dem Friedensblatt! Und kommt denn keiner, mir zu sagen,

Wie ich vergessen mag die Zeit, Da dir mein armes Herz geschlagen So himmelhoch, so weltenweit? Und soll sie denn auf ewig rinnen,

Die Wunde tief im Busen drinnen, Die einst dein stolzer Sinn mir schlug? O Herz, mein Herz, hör auf zu gluthen! Hör auf zu zucken, auf zu bluten!

Es ist genug! Es ist genug!

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