Und grau in grau verschwimmt die Luft, Und um den Herd und um sein Feuer Webt Winterduft. Das ist die Zeit, wo sich die Seele
Stilleinsam auf sich selbst besinnt Und wie im Lenz einst Philomele Auf Lieder sinnt. Willkommen drum zur guten Stunde,
O Muse, unter meinem Dach; Ist auch dies Stübchen hier im Grunde Kein Prunkgemach! Vier Wände nur und was darinnen,
Ein Tisch, zwei Stühle und ein Schrein; So sitzen wir vergnügt und sinnen Beim Lampenschein. Doch draußen, welch ein grauses Wetter
Durchrast gespensterhaft die Nacht? Mir däucht, so klingt das Horngeschmetter Der wilden Jagd! Der Regen peitscht in jähem Grimme
Ans Fenster, daß der Laden wankt, Und durch die Luft heult eine Stimme Und ächzt und bangt. Ein Kreischen wie von Wetterhähnen
Umkreist der Kirche nahen Thurm, Denn ihn bedräut mit giftgen Zähnen Der Drache Sturm. Von Menschen scheint die Stadt verlassen,
Kein Licht mehr, das nicht längst verblich, Und wer hinabblickt auf die Gassen, Bekreuzigt sich. Fürwahr, ist da nicht unsre Zelle
Ein irdisch Stücklein Seligkeit, Und predigt nicht des Lämpchens Helle Gemüthlichkeit? Und näher rücken wir zusammen
Und was ich frage, thust du kund; Dein Auge spielt in blauen Flammen, Es lacht dein Mund. Aus Ost und Westen, Süd und Norden,
Von Steinen, Blumen und Gethier, Warum und wie sie so geworden, Erzählst du mir: Und was einst vor so manchem Jährchen
Die Welt erlebt in Lust und Leid, Und wenn ich bitte, auch ein Märchen Aus alter Zeit. Wie Siegfried einst die Maid Brunhilde
Durch seinen Kuß vom Schlaf erweckt, Und wie sich hinter diesem Bilde Ein Sinn versteckt. Wie jährlich noch die Mutter Erde
Sich einspinnt in die Winternacht, Bis sie im Lenz durch Gottes Werde Aufs Neu erwacht. Drum laß den Tod nur draußen dräuen,
Wir zwei sind gegen ihn gefeit; Das Leben wird sich schon erneuen Zu seiner Zeit. Als Lenz wird es uns Veilchen bringen,
Und tändeln wird's als Blüthenfall, Und Nachts im Flieder wird es singen Als Nachtigall!
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