Skip to content
1896

17.

Arno Holz

Mein Herz schlägt laut, mein Gewissen schreit. Ein blutiger Frevel ist diese Zeit! Am hölzernen Kreuz verröchelt der Gott, Kindern und Thoren ein seichter Spott;

Verlöscht ist am Himmel das letzte Roth, Ueber die Welt hin schreitet der Tod, Und trunken durch die Gewitternacht klingt Das sündige Lied, das die Nachtigall singt!

Die Menschheit weint um ihr Paradies, Draus sie ihr eigener Dämon verstiess, Und heimlich zischt ihr die rothe Wuth Ihre Parole zu: Gold und Blut!

Gold und Blut, Blut und Gold! Hei wie das klappert, hei wie das rollt! Und wüst dazwischen kräht der Hahn: Volksohnmacht und Cäsarenwahn!

Und immer dunkler wird die Nacht, Die Liebe schläft ein und der Hass erwacht Und immer üppiger dehnt sich die Lust Und immer angstvoller schwillt die Brust;

Kein Stern, der blau durch die Wolken bricht, Kein Lied, das süss von Erlösung spricht – Mein Herz schlägt laut, mein Gewissen schreit: Ein blutiger Frevel ist diese Zeit!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
17. · Arno Holz · Poetry Cove