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1863–1929

10.

Arno Holz

Die ihr so oft schon im Erdengewühle Mir dieses Herz mit sich selber versöhnt! Schwingt euch gen Himmel auf goldnem Gefieder, Wandelt euch klingend in tröstende Lieder,

Daß ich vergesse, O, sagt es niemand, daß längst eurem Dichter Alle die sonnendurchfunkelten Lichter, Die euch umflimmern, erloschen sind!

Tänzelt und gaukelt wie Falter um Rosen, Laßt euch von schmeichelnden Lüften umkosen, Selber so flüchtig wie Wetter und Wind! Braucht doch die Welt nicht schon heute zu wissen,

Daß sie erst gestern das Herz dir zerrissen, Weil es zu rein und zu heilig erglüht! Opfre dein Herzblut, o laß, laß es fluthen, Siehe, schon strömen die feurigen Gluthen,

Freier und reiner nun wird dein Gemüth! Höher und höher in lieblicher Feier Schwebt deine Seele, es fallen die Schleier, Und dir erscheint ein erhaben Gesicht.

Unter dir siehst du der Erde Gebilde, Ueber dir schaust du des Himmels Gefilde, Um dich und in dir ein göttliches Licht. Juble nun, daß du der Erde entronnen,

Wenn du auch noch nicht den Himmel gewonnen, Schwebst du doch über der Welt und dem Schein! Aber zu bald nur erlahmen die Flügel, Nahe und näher schon winken die Hügel,

Klaffend bedroht dich das spitze Gestein! Ach, und schon fällst du, und wehe, da liegst du! Aber was willst du und warum auch fliegst du? Bleibe dahier, denn der Himmel ist hoch!

Wandle auf Erden und krieche im Staube, Denn dich bethört nun dein hoffender Glaube, Wie dich dein Herz und die Liebe betrog! —

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