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1863–1929

1. Ballade.

Arno Holz

Vom heilgen Hain zu Singapur? Dort sitzt ein alter Eremit Und kaut an seiner Nabelschnur. Er kaut tagaus, er kaut tagein

Und nährt sich kärglich nur und knapp, Denn ach, er ist ein großes Schwein Und nie fault ihm sein Luder ab. Rings um ihn wie das liebe Vieh

Wälzt sich zerknirscht ganz Singapur Und „Gott erhalte“ singen sie „noch lange seine Nabelschnur!“ Denn also geht im Volk die Mähr

Und also lehrt auch dies Gedicht: Wenn jene Nabelschnur nicht wär, Dann wär auch manches Andre nicht. Dann hätte beispielsweise Lingg

Nie völkerwandernd sich verrannt Und Wagners Nibelungenring Läg noch vergnügt im Pfefferland. Uns hätte nie Professor Dahn

Urdeutsch dozirt von A bis Z Und kein aegyptischer Roman Verzierte unser Bücherbrett. Wolffs Heijerleispoeterei,

Kein Baumbach wär ihr nachgetatscht, Und Mirzas Reimklangklingelei Dann schlüge endlich unsrer Zeit Das Herz ans Herz der Poesie,

Das Rütli schwüre seinen Eid Und unser Tell wär das Genie. So aber so — frei, fromm und frisch Kaut weiter jener Nimmersatt;

Sein eigner Schmeerbauch ist sein Tisch, Sein — wisch ein Bananenblatt. Und um ihn wie das liebe Vieh Wälzt sich zerknirscht ganz Singapur

Und „Gott erhalte“ singen sie „noch lange seine Nabelschnur!“

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