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1896

1.Ballade

Arno Holz

Kennt ihr das Lied, das alte Lied Vom heilgen Hain zu Singapur? Dort sitzt ein alter Eremit Und kaut an seiner Nabelschnur.

Er kaut tagaus, er kaut tagein Und nährt sich kärglich nur und knapp, Denn ach, er ist ein grosses Schwein Und nie fault ihm sein Luder ab!

Rings um ihn wie das liebe Vieh Wälzt sich zerknirscht ganz Singapur Und „Gott erhalte“, singen sie, „Noch lange seine Nabelschnur!“

Denn also geht im Volk die Mähr Und also lehrt auch dies Gedicht: Wenn jene Nabelschnur nicht wär, Dann wär auch manches Andre nicht.

Dann hätte beispielsweise Lingg Nie völkerwandernd sich verrannt Und Wagners Nibelungenring Wär stellweis nicht so hirnverbrannt.

Uns hätte nie Professor Dahn Urdeutsch dozirt von A bis Z Und kein ägyptischer Roman Verzierte unser Bücherbrett.

Wolffs Heijerleispoeterei, Kein Baumbach wär ihr nachgetatscht, Und Mirzas Reimklangklingelei Summa cum laude ausgeklatscht.

Dann schlüge endlich unsrer Zeit Das Herz ans Herz der Poesie, Das Rütli schwüre seinen Eid Und unser Tell wär das Genie.

So aber so – frei, fromm und frisch Kaut weiter jener Nimmersatt; Sein eigner Schmerbauch ist sein Tisch, Sein –wisch ein Bananenblatt.

Und um ihn wie das liebe Vieh Wälzt sich zerknirscht ganz Singapur Und „Gott erhalte“, singen sie, „Noch lange seine Nabelschnur!“

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