Skip to content
1893

Wenn kühl der Sommermorgen

Hugo von Hofmannsthal

Wenn kühl der Sommermorgen graut, Vom Himmel rosig wie Heidekraut, Wie rosige Blüte von Heidekraut Die blasse Sichel niederschaut:

Dann gehen auf silbernen Sohlen da Aus ihres Gartens Tor Umgürtet mit Schönheit und Schweigen ja Die jüngsten Träume hervor.

Sie gehen durch eine blasse Leisrauschende Pappelallee, Durch eine Heckengasse Und durch den duftigen Klee,

Sie öffnen mit feinen Fingern leis Am dämmernden Hause das Tor Und gehen die kleine Treppe leis Zu deiner Kammer empor,

An deinem Bette sie stehen lang Und haben keinen Mut, Auf deine Seele sie horchen bang, Die siedet und nicht ruht.

Sie sind für dich gekommen, weh! Du atmest allzu schwer, Rückgehen sie beklommen, weh! Hin, wo sie kamen her,

Hin, wo der Sommermorgen graut Wie rosig Blühn von Heidekraut.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Wenn kühl der Sommermorgen · Hugo von Hofmannsthal · Poetry Cove