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1892

Schönheit

Hugo von Hofmannsthal

Fiebernd lag ich Und es begehrten Die lechzenden Lippen Nach dem verwehrten

Kühlenden Trunk, Und es verzehrten Sich die kranken Heißen Gedanken,

Lockende Qualen Trüglich zu malen. Murmelnder Quellen Plätschern und Schwellen

Flüss'gen Crystalles Silbernen Falles Wallenden Sprudel, Zischender Strudel

Staubende Schleier, Ruhige Weiher, Glitzernde Becken In kühlen Verstecken

Fluten und schwinden In wogendem Schwall Ringsüberall. Und es träumen

Die zuckenden Lippen In wildem Genuß, Wie sie es nippen In schlürfendem Kuß,

Wie sie es trinken, Darin versinken, Wie es bespült, Die brennenden Lider,

Kalt schauernd sich wühlt Durch die glühenden Glieder. Aber nicht wieder Seit ich gesundet

Find ich die mundend – Süße Beglückung. Wo ich auch trinke Schale Erquickung

Beut mir die Quelle; Und in der Welle Murmelndem Rauschen Kann ich die Töne

Nicht mehr erlauschen Süßester Schöne, Die zu erfassen Damals der Seele

Schmachtende Kelche Sich bebend erschlossen. Du unser Sehnen, Göttliche Schöne,

Die wir durch Töne Zu rufen wähnen, Gleichst du nicht jenen Zaubergebilden

Die wir im wilden Fieberverlangen Herniederzwangen, Die dort verwehrte

Lechzend begehrte, Gleissend umschwebt Und in gesunden Prüfenden Stunden

Nebelnd sich hebt Und uns zurückläßt In der kalten Elend-klaren

Oede des Lebens.

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