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1890

Gülnare

Hugo von Hofmannsthal

Schimmernd gießt die Ampel Dämmerwogen um dich her, Leise kommt der Orchideen Duft geflogen um dich her Aus den bunten, schlanken Vasen; und der Spiegel streut die Strahlen, Die er, wo der Schimmer hinfällt, aufgesogen, um dich her.

Auf dem Teppich, dir zu Füßen, spielt der Widerschein des Feuers, Zeichnet tanzend helle Kreise, Flammenbogen um dich her; Und die Uhr auf dem Kamine, die barocke, zierlich steife, Tickt die Zeit, die süßverträumte, wohlgewogen um dich her.

Und die Melodie der Farben und der reichen Formen Reigen Schlingt sich lautlos, schönheittrunken um dein Träumen und dein Schweigen. Märchenhaft ist deine Schönheit, märchenhaft und fremd und blendend, Wie die goldnen Arabesken, die sich funkelnd rings verzweigen,

Und sie schwebt auflichten Wolken, erdenfremd und sorglos lächelnd, Wie die Amoretten, die sich von der Decke niederneigen. Nur die Liebe fehlt dem Märchen, die das Schönste doch im Märchen: Laß es mich zu Ende dichten, gib dich, Märchen, mir zu eigen.

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