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1899

Botschaft

Hugo von Hofmannsthal

Ich habe mich bedacht, daß schönste Tage Nur jene heißen dürfen, da wir redend Die Landschaft uns vor Augen in ein Reich Der Seele wandelten: da hügelan

Dem Schatten zu wir stiegen in den Hain, Der uns umfing, wie schon einmal Erlebtes, Da wir auf abgetrennten Wiesen still Den Traum vom Leben niegeahnter Wesen,

Ja ihres Gehns und Trinkens Spuren fanden Und übern Teich ein gleitendes Gespräch, Noch tiefere Wölbung spiegelnd als der Himmel: Ich habe mich bedacht auf solche Tage,

Und daß nächst diesen drei: gesund zu sein, Am eignen Leib und Leben sich zu freuen, Und an Gedanken, Flügeln junger Adler, Nur eines frommt: gesellig sein mit Freunden.

So will ich, daß du kommst und mit mir trinkst Aus jenen Krügen, die mein Erbe sind, Geschmückt mit Laubwerk und beschwingten Kindern, Und mit mir sitzest in dem Garten-Turm:

Zwei Jünglinge bewachen seine Tür, In deren Köpfen mit gedämpftem Blick Halbabgewandt ein ungeheures Geschick dich steinern anschaut, daß du schweigst

Und meine Landschaft hingebreitet siehst: Daß dann vielleicht ein Vers von dir sie mir Veredelt künftig in der Einsamkeit Und da und dort Erinnerung an dich

Im Schatten nistet und zur Dämmerung Die Straße zwischen dunklen Wipfeln rollt Und schattenlose Wege in der Luft Dahinrollt wie ein ferner goldner Donner.

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