Skip to content
1616–1679

Zuchtheimine an Tugenand.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Ein Brieflein deiner Magd fällt hier zu dei- nen Füssen Und wünschet: Tugenand sey alles Seegens voll

Weil du mir es geschafft so hab ich schreiben müssen Sonst weiß ich das ich nicht mit Fürsten reden soll. Ich bin wie dir bewust von gar geringen Stande Und weiß nicht was ein Brief so grosser Hand begehrt

Man ehrt als einen Gott dich in den Deutschen Lande Ich aber bin gewiß nicht deiner Knechte werth. Ich schreibe wie gesagt doch mit verwörrten Sinnen Ich bin nicht Adlers Art mich blend’ der Sonnen Licht

Ich weiß nicht wie mir ist und waß ich soll beginnen Vor Strahlen deiner Gunst kenn’ ich mich selber nicht. Ein grosser Hertzog soll ein arme Magd erkiesen Die keinen andern Schmuck als Tugend in sich führt

Von Stande schlecht berühmt von Schönheit unge- priesen Von Weißheit unbekandt von Reichthum ungeziehrt. Scham Furcht und auch verdacht läst mich nicht

Worte finden Daß ich wie sichs gebührt recht Antwort schreiben kan; Wem Angst und Blödigkeit die schwachen Finger bin- den

Der greift die Feder nur mit grossen Zittern an. Es träget mir itzund dein wohlgeziehrtes Schreiben Die Bluhmen hoher Gunst in Ruhmes Schalen für Laß dich zu deiner Magd doch nicht die Liebe treiben

Denn was du hast gerühmt das findst du nicht allhier. Es soll der Purpur sich mit Purpur nur vermählen Den besten Ring beschämt ein falscher Diamant Ich weiß dein Bitten ist ein höffliches Befehlen

Doch glaub ich bin zuschlecht vor eines Fürsten Handt. Das Hauß von Sonnenreich so schwer von Cronen worden Und dem der Purpur Rock fast angebohren ist

Vergist sich endlich selbst und seinen hohen Orden In dem mich Tugenand vor andern ausserkiest. Ich weiß nicht was ich wohl soll für Gedancken führen Und ob dein Feuer nicht zu meinem Schimpffe brennt;

Oft pflegt der Ehrenkrantz die Bluhmen zuverliehren Wenn eine schlehte Magd die grossen Herren kennt. Ein Tritt in unser Hauß von solchen hohen Füssen Ist ein Genaden Werck begleitet mit Verdacht

Der Mund so heute sich läst einen Fürsten küssen Wird morgen Kinder Spott und hönisch ausgelacht. Jhr Gold macht oftermahls uns arm an Lob und Ehre Ein Strahl von ihrer Gunst verzehrt oft unsern Ruhm

Was hilfft es das ich mich verdächtig loben höre Es ist entlehntes Werck und nicht mein Eigenthum. Wie manch erlauchter Kuß hat Bluhmen weggerissen Wo Nesseln mit der Zeit dafür gewachsen seyn.

Und manche muß itzund mit heissen Thränen büssen Daß sie sich hat erwärmt an grosser Sonnen Schein. Darf meine Kühnheit noch was mehrers hier vermel- den

Die Lieb’ ist voll Gefahr die Macht und Waffen trägt Die Keuschheit wird zu nichts für einen edlen Helden Der auf Verweigerung bald einen Krieg erregt. Da Ja muß Schuldigkeit und Nein Verbrechen heis-

sen Und dessen Traum alsbald in Wercke wird verkehrt Der wegen seiner Lust nur will den Krantz zerreissen Und durch der Liebe Gluth oft sich und uns verzehrt.

Da schaut man daß alsdenn von grosser Herren Feuer Nichts als der Ruß verbleibt der unsern Nahmen schwärtzt Gedencke Tugenand ein Kuß ist allzutheuer

Der unsre Ehre nim̃t wenn er hat ausgeschertzt. Dann kan man unsern Spott an allen Wänden lesen Und unser Nahme muß der Lust zu Dienste stehn Ja wo ein solcher Held vor diesem ist gewesen

Da will alsdenn ein Knecht nicht wohl zu Bette gehn. Vergieb mir was ich itzt aus freyer Einfalt schreibe Die Früchte so du schaust die hastu aufgebracht Und dencke dieser Brief der komt von einem Weibe

Die dein Erniedrigung hat allzukek gemacht. Ich gründe mich nun gantz mein Fürst auf deine Tu- gendt Du heist bey iederman ein Spiegel dieser Welt

Ich muß dir stille stehn sofern in meiner Jugendt Wo nichts zu etwas wird dir etwas wohl gefällt. Ich hoffe deine Gunst die wird mich nicht beflecken Denn wie die Sonne schwärtzt und doch auch bleichen

kan So wirstu einen Strahl der Keuschheit auf mich stre- cken Mich deucht er streicht mich schon mit edlern Farbe an

Ich lasse Gott nunmehr und deine Tugend walten Ist dieses nechst bey mir so leb ich Kummers frey; Ich weiß du erachtest mehr dein Ehre zu erhalten Als wie dein Liebes Wunsch recht zuerreichen sey.

Was Eh’ und Ehrlich heist hast du mir zugesaget Ein wort von deiner Hand ist mir ein theurer Eydt Ich muß gehorsam seyn weil dir es so behaget Und du Belieben hast an meiner Dürfftigkeit.

Man wird mir zwar alsdenn ein scheles Auge zeigen Und dencken Sonnenreich sey viel zu hoch vor mich. Ja deinem Vater will diß Werck zu Hertzen steigen Er saget: Tugenand will itzund unter sich;

Ich werde neben dir manch schnödes Urtheil hören Doch unverdienter Haß ist wohl gegründter Ruhm; Und ein vergälltes Wort das wird mich nicht verseh- ren

Bleibt deine hohe Gunst nur stets mein Eigenthum. Jtzt hoff ich mehr Befehl von deinen werthen Händen Und schlüsse mich nun gantz in deinen Willen ein Ein Geist der züchtig ist den kan ich übersenden

Sonst weiß ich keinen Schatz der um mich konte seyn. Jtzt höre noch ein Wort von deiner Zuchtheimine Weil ich nicht zweiffeln kan an dem was du gesagt So schwer’ ich daß ich dir mit gantzem Hertzen diene

Und will mein Tugenand so sterb ich seine Magdt.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.