Die zeiten müssen sich vergleichen
Weil alle zeiten flüchtig seyn
Tritt wiederum der frühling ein
So pflegt der winter ihm zu weichen
Vergeht des sommers heisser brand
So kömmt des herbstes kühler stand.
Warum wolt ihr die zeiten hassen
Jhr die ihr seht der zeiten streit?
Weil euch in unvergnügsamkeit
Lentz sommer herbst und winter lassen
Weil aller zeiten lauff verrancht
Eh’ iemand ihrer recht gebraucht.
Was zeigt uns dieses wechsels schatten?
Ein bild der unbeständigkeit;
Ein werck der unvollkommenheit:
Weil nicht der himmel will verstatten
Daß etwas hier soll ewig stehn
Das mit den zeiten soll vergehn.
Jhr ändert ja der zeiten söhne
Der zeiten töchter allezeit
Indem ihr macht aus freude leid
Was gleich ist krum; was arg ist schöne;
Was starck ist schwach; was kalt ist heiß;
Was klein ist groß; was schwartz ist weiß.
Ein jahr ist unser gantzes leben:
Der frühling hält der jugend art
Der sommer der verliebte paart
Kan schöne frucht zu wiegen geben
Der herbst nimt an den kräfften ab
Der winter legt uns in das grab.