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1616–1679

Von dem elende des menschlichen lebens.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Armseeliges gelücke! Das auf der welt des menschen hertze trifft! Der donner unterbricht die schönsten sonnen-blicke: Und was man zucker nennt, ist offt das ärgste gifft:

Die sterne werden uns zu feurigen cometen, Und die erfahrung zeigt: Daß auch wohl engel töden. Was sind die süssen rosen, Wenn sie der dorn vor unsern händen schützt?

Der himmel pflegt uns zwar von ferne zu liebkosen; Kommt man ihm aber nah, so fühlt man, daß er blitzt. Es baut der selbst-betrug nur schlösser in die lüffte: Denn, eh’ man es bedenckt, so sind es todten-grüffte.

Des lebens erster morgen Hebt sich bey uns mit bittren thränen an. Ein ausgekrochner wurm weiß vor sich selbst zu sorgen; Da der gebohrne mensch ihm gar nicht helffen kan:

Er lernt mit fallen gehn, und wird, wenn falsche freunde Nicht seine hencker sind, ihm endlich selbst zum feinde. Man schwatzt wohl vom gelücke, Und schreibet uns viel weg und mittel für;

Allein der meister selbst weicht von der bahn zurücke: Und die vergnügung kennt nur wörter und papier. Denn ob ihr schatten gleich die lippen eingenommen; So ist ihr wesen doch nicht in das hertze kommen.

Die nelcken werden nesseln: Der perlen pracht verwandelt sich in sand: Die freyheit will uns selbst in enge bande fesseln: Nichts ist beständiger, als angst und unbestand.

Die sonnen kommen uns geschwind aus dem gefichte; Die wolcken aber macht nicht bald ein stern zunichte. Des menschen gantzes wesen Ist durch und durch mit unruh angefüllt:

Man kan das ungelück auf allen gliedern lesen, Weil nichts zugegen ist, was die begierden stillt. Denn wenn ihm fuß und hand schon alles vorgenommen: So hat das hertze doch noch keine ruh bekommen.

Das auge mag fich sehnen, Und unser mund nach der vergnügung schreyn. Die sehn-sucht badet sich gemeiniglich in thränen, Und ein vergebnes wort bringt nichts als seufftzer ein.

Die lippen werden zwar von langem klagen müde; Doch diese mattigkeit ist noch kein hertzens-friede. Die ängstlichen gedancken Verlassen uns auch in dem schlafe nicht.

Der menschen ungelück ist ausser allen schrancken, Weil weder tag noch nacht sein wüten unterbricht. Die unruh, die uns plagt, ist allezeit daheime: Und quält das wachen nicht; so schrecken doch die träume.

Kommt auch gleich eine stunde, Die uns den schatz erwünschter ruh verheißt; So dringt die lieblichkeit uns dennoch kaum zum munde, Wenn die verwöhnte brust schon wieder wermuth speist.

Die hoffnung spielt mit uns, als wie mit einem kinde, Setzt marmeladen vor, und füllet uns mit winde. O himmel und verhängniß! Beschliest doch einst das lange trauerspiel!

Macht allem ungelück ein schnelles leich-begängniß, Und gebt uns so viel ruh, als unser hertze will! Zerstört den labyrinth der langsamen beschwerden, Daß erd und hertzen uns zu paradiesen werden!

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