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1616–1679

Verzweifflungs-gedichte. C. H. v. H.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Die augen schloß ich traurig zu Die hände deckten meine stirne Ich war entblöst von lust und ruh Der kummer fühlte das gehirne

Bald wacht ich auff bald schlieff ich ein Bald wolt ich tod und asche seyn Bald wünscht ich weit von hier zu leben; Und daß ja nichts sey unbekant

So hat die thorheit meiner hand Papier und feder übergeben. Auf auf mein sinn und du mein fuß Ich kan nicht länger hier verziehen

Mein warten bringet mir verdruß Ich wünsche von der welt zu fliehen. Ich spey auf scepter und auff gold Man sey mir feind man sey mir hold

Es soll mich beydes gleich erquicken; Die liebe so uns närrisch macht Und uns bezwingt mit dicker nacht Soll mir nicht den compaß verrücken.

Ich lache wenn ich überhin Mein tummes leben überlege Und diß worauf ich kommen bin In den gedancken recht erwege

Mir zittern beydes marck und bein Die stirne wird wie eyß und stein Es will geblüt und geist erstarren; Genug geirrt genung geklagt

Den irrthum hat die zeit verjagt Ich will nicht länger hier verharren. Ich eil in eine weisse gruft Die keine sonne hat berühret

Und da die eingesperrte luft Uns zeitlich zu dem tode führet Der schlangen gifft und drachen rauch Der fülle nase brust und bauch

Und endlich meinen geist vertreibe Auf daß die ausgedorrte brust Als eine recht bestimmte kost Für junger drachen zähne bleibe.

Und werd ich ja nicht hingericht Durch schlangengift geschickt zu tödten Will keine drachen-mutter nicht Mir freundlich seyn in meinen nöthen

So lauf ich in das heisse land In welchem der entbrannte sand Nichts als die löwen will ernehren Die werden endlich meine noth

Und auch zugleich mein fleisch verzehren. Und will mir weder gifft noch zahn Die seele von dem leibe scheiden Ist nichts so mich verzehren kan

So mag dich doch nicht ferner leiden: Es soll mir diese schwache hand Sein wider meine brust gewand Sie soll den schnöden leib durchstechen;

Hat mich das faule blut geplagt Und in viel grosse noth gejagt So bin ich fertig mich zu rächen. Die haare gehn den bergen zu

Wenn ich erwege dieses leben Bey welchem fröligkeit und ruh Verschworen hat mir platz zu geben. Ich bin ein todter der da geht

Ein gas so auf den füssen steht Und ein verfaulter ohne bahre Ein brand von böser brunst gemacht Ein scheusal dessen ieder lacht

Ein enger kram verachter wahre. Und daß die feder nicht zu viel Von meinem bösen leben sage So habe sie hiermit ihr ziel

Ich will nicht daß sie ferner klage Mit diesem geht mein wallen an Wol iedem der da bleiben kan Mein wolseyn such ich im verderben.

Jhr guten freunde gute nacht Der wunsch sey euch von mir vermacht Mein leben mag mein feind ererben.

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