Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Adonis grab ist hier; mehr sagt die liebe nicht Und Venus seel entschläft bey diesem leichen-steine. Ach hochgeliebter leib! ach werthste todten-beine! Ach himmlischer Adon! mein mattes hertze bricht
In lieb und thränen aus: die thränen sollen zeugen Daß meine liebe wird zu keinen zeiten schweigen. Wo ist Adonis sarg? wo ist Adonis grab? Daß Venus nicht zugleich sich auf die baare leget
Wie wenn ein rauher wind die blumen niederschläget Schlägt tulp und nelck entzwey und bricht die blumen ab. So war mein lebens-geist von hertz und seel entrißen Als meinen lieben schatz ein wildes schwein gebißen.
Ach ewiger verlust! unwiederruflich fall! Ich habe deine schoos dem himmel vorgezogen Holdseeliger Adon! nun seel und geist verflogen So stirbt die Venus auch. Ich hörte fast den schall
Und wie du mich zuletzt mein tausend lieb gesegnet Als dir diß ungeheur im finstern wald begegnet. Ich ging und suchte drauf mein leben in dem häyn Und fand da meinen tod Adonis sternen glieder
Sind durch des wildes biß besprützet hin und wieder Vom schaum des rothen bluts. Ich bracht ihm himmel-wein Und edlen perlen-tranck hertzstärckende muscaten In hoffnung meinem sohn und besten schatz zu rathen
Vergebens ob ich schon den weichen mund geküst Und tausend mahl geschryn: erwache meine seele! So regte sich kein glied ja was ich nicht verheele Ich habe selbst zuletzt krafft seel und geist vermist.
Ich werd auch nimmer schön mein’ anmuth ist gestorben Und mit Adonis pracht der Venus glantz verdorben. Bedenck ich jene lust und gegenwärtig leid Ja wenn der himmel gleich in lauter rosen lebte
Wenn höchst’ ergötzlichkeit um meine scheitel schwebte So blieb ich unbewegt biß daß die süsse zeit Mich gab Adonis gunst den ich verschwendrisch küste Sein alabaster arm umschränckte meine brüste;
So hat niemand geliebt und niemand weiß es so Die seelen nur allein beschloßen was geschehen Der monde hat uns oft gantz holdreich zugesehen Er ward an meiner brust und ich an seiner froh;
Sein mund hieß mein rubin ich schenckt ihm himmels-flüsse Und selbte macht ich noch mit liebes-zucker süsse. Nun seh ich nichts als noth und dein verblichner leib Mein eintzig liebes kind entseelt mein kranckes hertze:
Doch daß ein denckmal sey wie hoch ich dich beschmertze So bau ich hier dein grab das keine zeit zerreib’ Und in vergessenheit die lange nächte stürtze Mit thränen salb ich dich statt weit-geholter würtze.
Hier ist Adonis grab und auch mein heiligthum. Ein mensch mag bahr und grust mit göldnen ampeln zieren Ich göttin will um dich die stern als fackeln führen. Und wie die leichen sonst schmückt eine schöne blum
So soll das schöne blut in auämonen sincken Und bey dem rosen-lentz in purpur-kleidern blincken. Was mehr? den leichgesang das bittre todten-lied Stimmt Venus ewig an der himmel hilfft mir klagen
Die lüfte seuftzen mit der westenwind soll sagen Wie tief ich traurig sey: Ich bin nicht groß bemüht Um das beliebte grab viel seulen aufzuführen Die liebe soll es mehr mit ihren wundern zieren.
Daß Artemisja dort des ehmanns asche tranck Ist viel und liebens werth; Ich opffre meine seele Die zwar nicht sichtbar ist der lieben grabes-höle; Und saget nun iemand daß Venus bleich und kranck
Der wisse da Adon mein trost und lieb erblichen Daß ich zugleich mit ihm bin aus der welt gewichen. Die überschrifft wird sonst dem marmol einverleibt Ich will sie ins gemüth der späten nachwelt graben
Dran soll der buler volck den schönsten spiegel haben Wo nicht der große schmertz die lieb ins elend treibt: Hier ruht der schönheit schatz und Venus holde zierden Tritt nicht zu nah hinzu! der stein macht die begierden.
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