Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Geliebte Flavia mich brennen deine thränen Das süsse naß beflammet meinen Geist Dein heisser seuffzer macht mir jammer-reiches sehnen So mich zu dir mit steiffen banden reist;
Wilstu o Flavia daß Citron soll verderben So sage nichts von deinem todt und sterben. Es ist noch keine zeit im grabe zu verwesen Die jugend steht dir allzuzierlich an
Du solt noch in der welt die zucker-rosen lesen Wo deine hand kein dorn verletzen kan Die wollust wird dir tranck aus ihrem becher schicken Und selber dich an ihre brüste drücken.
Es soll dich noch zur zeit kein schwartzer boy umschliessen Dein tugend-glantz ist etwas bessers werth Es wird der himmel dich als seine tochter küssen Der deinen mund zu seiner lust begehrt
Laß einen kleinen sturm dich nicht zu sehr bewegen Ein sonnen-strahl kan alles wieder legen. Erhebe doch nunmehr die flügel deiner sinnen Und stöhre selbst den trieb der ungedult
Laß nicht die thränen-bach um deine wangen rinnen Das schöne feld ist frey von aller schuld Was wiltu unverdient es unter wasser setzen Die tyranney ist straffens werth zu schätzen.
Soll die verzweiffelung dir deine rosen bleichen So um den thau der süssen lippen stehn? Nichts als Jesmin-geruch soll diesen ort bestreichen Kein purpur muß von dessen grentzen gehn
Um diese gegend muß sich lust und anmuth küssen Und lieblichkeit dir deine zeit versüssen. Ach edle Flavia! leg’ angst und kummer nieder Es speise dich des glückes überfluß
Zerreiß in freudigkeit die kalten trauer-lieder Durch die dein knecht als eiß erstarren muß Wer ihm das hertze frist und selbst sein fleisch verzehret Der hat für sich zu theure kost begehret.
Komm braune nacht umhülle mich mit schatten Und decke den mit deiner schwärtze zu Der ungestöhrt sich will mit sonnen gatten Und im bezirck der engel suchet ruh
Ja hilff mein ach eh du noch wirst verschwinden Mit linder hand von meiner seele binden. Wie hör’ ich nicht willkommen mein verlangen! Schon im gemach mit leiser stimme gehn?
Fühl’ ich mich nicht mit lilien umfangen Und meinen fuß auff diesen grentzen stehn Wo nur Celinde wird aus thränen lachen Aus flammen eiß aus bette himmel machen.
So tilge nun o heldin! meine schmertzen Wirff mit dem flohr die leichte zagheit hin Laß meine hand mit deinem reichthum schertzen Und mich entzückt das schöne thal beziehn
Da sich im thau die stummen lüste kühlen Und tag und nacht mit ihren farben spielen. Dein heisser mund beseele mich mit küssen Hilff wenn ich soll an dieser brust versehrn
Durch lindern biß die flüchtigen narcissen Mir ausgestreckt die stille freude mehrn Und möchtest du ja deinen krantz verlieren Solln perlen doch die schönen haare zieren.
Mein wort erstirbt die seele will entweichen Ach laß sie doch in enge himmel ein Laß schiff und mast in deinen hafen schleichen Und deine hand mir selbst ein leitstern seyn
Du solt alsbald die eingeladne gaben Nebst voller pracht statt der belohnung haben.
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