Niemand weiß wie schwer mirs fällt
Flammen in der brust zu hegen;
Und sie dennoch für der welt
Nicht ans freye licht zu legen.
Feuer läst sich nicht verhelen;
Denn sein glantz ist allzuklar
Und die glut verliebter seelen
Macht sich selber offenbar.
Hundert augen die von neid
Und von lauter argwohn brennen
Sind auff mich zu sehn bereit
Ob sie was vermercken können.
Noch verberg ich meine schmertzen
Daß man keine funcken sieht
Da die liebe doch im hertzen
Wie ein andrer Aethna glüht.
Dieses ist der liebe kunst
Amor suchet finsternissen
Und von seiner stillen brunst
Muß der helle tag nichts wissen.
Venus bricht mit ihrem sterne
Erst bey dunckler nacht herein
Daß die zarte jugend lerne
In der liebe heimlich seyn.
Drum gewehne dich mein muth
Deine flammen zuverschweigen;
Laß von der verborgnen glut
Weder mund noch auge zeugen.
Mustu dich gleich etwas zwingen
Ist gleich die verstellung schwer;
Aus den allerschwersten dingen
Kommt die gröste lust offt her.
Perlen liegen eingeschrenckt
In den harten muschel-häusern.
Wer auff frische rosen denckt
Sucht sie in den dornen-reisern.
Honig ist nicht ohne bienen.
Wer in Canaan will stehn
Muß erst in Egypten dienen
Und durch meer und wüsten gehn.
Vielleicht wird des himmels gunst
Mir das glück noch künfftig gönnen
Daß die kohlen meiner brunst
Offenbarlich brennen können.
Itzo schreib ich meinem hertzen
Diesen wahren denck-spruch ein:
Feuers-glut und liebes-schmertzen
Müssen wohl bewahret seyn.