Flavie schaut meine thränen
Nur als wasser-perlen an
Und mein seuffzer-reiches sehnen
So ich doch nicht lassen kan
Zeigt mir daß betrügerey
Meiner treu belohnung sey.
Doch kan ich mich nicht erwehren
Zu verehren was mich haßt
Und mich schmertzlich zu verzehren
Unter einer schweren last;
Denn die liebe liebet pein
Und heist galle zucker seyn.
Mir gefallen noch die narben
Die mir hat das joch gedrückt
Und durch tausend falsche farben
Wird mein treuer sinn berückt.
Meiner fässel heller klang
Ist mein bester trost-gesang.
Ich muß itzt zurücke dienen
Und der sonnen edles licht
So mir vormahls hat geschienen
Kennt itzund mein auge nicht
Die mich ihren engel hieß
Stöst mich aus dem paradieß.
Flavie lacht meiner schmertzen
Meine qvaal ist ihre lust;
Und das joch in meinem hertzen
Ist ein kleinod ihrer brust.
Mein verderben ist das ziel
Und mein’ angst ihr possen-spiel.
Flavie zu deinen füssen
Leg’ ich meine freyheit hin
Und bin itzt in furcht beflissen
Dir zu opffern geist und sinn;
Doch was mir das hertze bricht
Kennt itzund mein opffer nicht.
Die mir vormahls hat geschworen
Der werd’ ich itzt unbekandt
Und ich singe tauben ohren
Man verschleust mir hertz und hand
Was mein irrthum hat gethan
Ziert itzt ihre sieges-fahn.
Flavie ist das erbarmen
Nicht aus deiner brust verjagt
Ach so reiche dem die armen
Den sonst keine schuld verklagt
Ausser daß er in der welt
Dich allzeit vor göttlich hält.