Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Was qvälstu mich Luci'gen in dem schlaffe Daß ich vor dir nicht sicher ruhen kan? Sind etwan mir die träume nur zur straffe? Dieweil ich dir nicht wachend gnug gethan?
Wie offte muß ich doch im schlaff empfinden Was ich mich nie darff wachend unterwinden. Ich schliesse kaum die matten augen-lieder So sehe ich mein kind schon vor mir stehn
Da deucht mir gleich als wenn wir hin und wieder Durch welt und feld verliebt spatzieren gehn; Es kühlen mich die süssen phantaseyen Daß ich mich muß im schlaffe recht erfreuen?
Da darff ich dich zu tausend mahlen küssen Mir ist vergönnt die alabaster brust Ich darff auch wohl im traum ein solches wissen So wachend mir noch gäntzlich unbewust
Wenn aber ich bin wieder auffgewachet So wird die lust mir erst zur qvaal gemachet. So muß ich denn des tages über büssen Was mich zuvor des nachtes hat erfreut
Und weiß mein leid mir denn nicht zu versüssen Als wenn sich einst das liebe glück erbeut Daß ich dir kan die süssen träum erzehlen Und wie ich mich so sehr um dich muß qvälen.
Darun mein kind verschone mich mit träumen Ist deine gunst mir ja wohl zugethan So werd ich nie die liebe zeit versäumen Wie ich dich in der that bedienen kan
Viel lieber will ich wachend einmahl küssen Als tausend mahl die lust im traum geniessen.
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