Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Jst dieses was ich soll von meiner Agnes ha- ben? Soll Gruß und Abschied denn nah’ aneinan- der stehn?
Läst meine Taube sich ümbgeben schwartze Raben? Muß meine Sonne denn so schimpflich untergehn? Ist kein Erbarmnis mehr in dieser Welt zufinden? Kennt Blut den Blut nicht mehr? kennt mich mein
Vater nicht? Läst er mit Kett’ und Band dich meine Seele binden? So bin ich allbereit erbärmlich hingericht. Ach wär’ ich hingericht! Er läst mich in dem Leben
Damit ich schmecken soll die Galle meiner Noth; Er läst den Todes Stifft auf meinen Hertzen schweben Denn ohne dich zuseyn ist ärger als der Todt. Die Sinnen wancken mir die Feder will nicht schrei-
ben Das Hertze waltzet sich und will mit Macht zu dir Es scheut sich ohne dich itzt mehr in mir zubleiben Und was nur Marter heist das find’ sich itzt in Mir.
Es steht die Schuldigkeit mir trotzig im Gesichte Und spricht mir deutlich zu ist diß die heisse Gluth? Läst Albrecht seine Braut vergehen im Gerichte? Ist dieses seine Treu? ist diß sein Helden Muth?
Kan seine Liebe denn die Riegel nicht zerbrechen? Verübt sie diß nicht mehr was in der alten Zeit? Kan seine Manheit sich nicht an den Richtern rächen? Hat denn ein Augenblick die Kräfften abgemayt?
Hergegen muß ich auch den Schluß des Himmels hö- ren Der als ein harter Schlag mir in die Ohren fällt Du solt soviel du kanst den alten Vater ehren
Er hat dich neben Gott auf diese Welt gestellt. Mit Eltern soll man nur mit Demuths Waffen strei- ten Jhr Wort’ und Wille soll uns ein Gesetze seyn
Jhr Seegen kan uns Heil und Wohlfarth zubereiten Und Jhrer Flüche Sturm reist alles gutes ein. So muß ich zwischen Blut und heissen Flammen lie- gen
Bin schimpflich halb befleckt und schmertzlich halb ver- brennt Und muß den schwachen Hals für dem Verhängnüß biegen
So diese gantze Welt vor ihren Zaum erkennt. Ich werde nur erstum̃t itzunder warten müssen Was über dich und mich die Welt beschlossen hat Ich liege dem Gelück erbärmlich zu den Füssen
Und hier bey unser Noth hat auch kein Pflaster statt. Mit Einfall umbzugehn den Harnisch anzulegen Das ist zwar Ritterlich doch keine Hülffe nicht Den Vater würd’ ich nur durch solche That bewegen
Daß du noch grausamer itzt würdest hingericht. Ich schaue nur zuviel das Urtheil ist gesprochen Der Vater fleucht vor mir und läst mich nicht vor sich Es hat sein harter Geist sich wohl an mir gerochen
Er will dir an den Hals und meinet mich durch dich. Ich weiß kein Mittel mehr ich rede nur mit Steinen Die Ohren seyn verstopft das Hertze wird zu Stahl Man lacht mein Seuffzen aus und achtet nicht dein
Weinen Man kräncket dich mit Angst und speiset mich mit Qual. Das gröste was mir itzt den Kern des Hertzens naget
Ist dieses daß ich dich in diese Noth geführt; Ich hab’ als Jäger dich in dieses Garn gejaget Das Eisen komt von mir so deine Seele rührt. Denn soltest du die Schmach von fremden Händen lei-
den Und würde deine Brust nicht durch mein Blut verletzt So könt ich endlich noch mich in Gedult bescheiden Ich sagt: es hat es so der Himmel ausgesetzt.
So soll mein Vater dich in Band’ und Eisen legen Und meine Liebes Brunst dein Scheiterhauffen seyn Ja deiner Brüste Schnee zerschmeltzet meinetwegen Diß ist ein Höllen Tranck und will mir bitter ein.
Doch alles ist ümsonst dein Klagen und mein Hoffen Verschwindet wie ein Dunst und stirbet ohne Frucht Es hat uns in der Welt die höchste Noth betroffen Du wirst zum Todt und ich zur Marter itzt gesucht.
Das Eisen so dich drückt das will mich auch beschwe- ren Das Gift so dich verletzt würckt leider! auch in mir Wie solte meine Krafft sich nicht wie du verzehren?
Denn meine Seele wohnt itzt nirgends als in dir! Ach Agnes glaub es mir ich bin wie du gebunden Ich büße weil ich dich in solche Noth gebracht Wer deine Glieder schlägt der macht auch meine
Wunden Scheinst du mir Sonne nicht so bleib ich in der Nacht. Doch kan und muß ich ja nach dir im Leben bleiben So soll dein Nahme stets in meinem Geiste stehn
Ich will ihn dem Crystall mit Wörtern einverleiben Die mit der Ewigkeit in gleichen Zirckel gehn. Ich will dein edles Grab mit tausend Thränen netzen Und wo der gelbe Neid es nur vertragen kan
So will ich diese Schrifft auf deinen Leichstein setzen Daß auch der After Welt dein Ruhm sey kund ge- than: Hier ruht ein schönes Weib mit schwartzer Nacht be-
decket Ein Schatz in dunckler Gruft aus Ungunst hingelegt Hier ruht die Reinligkeit die noch kein Dunst beflecket Und dieses was zuvor die Felsen hat bewegt.
Von ihrer Todes Arth ist hier kein Wort zulesen Du weist es ohne mich die Welt ist voll Gefahr Ach weine weil sie mehr als Englisch ist gewesen Daß bey den Menschen sie fast mehr als sterblich war.
Nun Agnes dieses soll auf deinen Leichstein schreiben Der einen heissen Kuß dir in Gedancken gibt Man kan zwar meinen Leib von deiner Seele treiben Doch mein Gemüthe nicht so dich auch ewig liebt.
In meinem Geiste kan dein Bildniß nicht verderben Hier soll es wohl verwahrt in hohen Ehren stehn Und kan mein Hertze nicht mit deinem Hertzen ster- ben
So laß doch meine Hand mit dir zu Grabe gehn.
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