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1616–1679

Ubersetzung der achten Eclogä Virgili.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Alphesiböus und Damonis hirten-lieder Die wilde luchs entzückt das vieh erstaunt gemacht Daßselbes weder graß noch weide hatgeacht Daß sich die fluth verkert und lief dem strom zuwieder

Berühmter hirten lied erzehlet jetzt mein kiel Diß wo Timavusstein dich noch behalten wil Und wo sclavonien zum schutz dich auserkoren Wenn wird doch nur das licht das süsse licht geboren

Daß ich auch deinen ruhm der gantzen welt kan zeigen Wie du dem Sopholes in hohen reden gleichst Wie du den anfang mir zu hohen sachen zeigst Ich hebe bey dir an und muß auch bey dir schweigen

Nimm diese reimen hin die du befohlen hast Laß unter deinem ruhm auch einem frembden gast Das schlechte winter-grün mit lorbern sich vermälen So wird man prächtiger die reichen siege zehlen.

Die kalte finsternis die nacht war kaum verstrichen Als früh der morgenthau das vieh so hoch ergötzt Und Damon hatte sich zum ölbaum hingesetzt Da ihm den dieses lied von lipp und mund geschlichen

Erschein uns morgenstern und bring uns doch den tag. Daß ich von Nisens falsch und meineyd sagen mag Wie ihre schnöde gunst mich jämmerlich betrogen Ob ich die götter gleich zu zeugen angezogen.

Ich ruffe sie auch noch in meiner sterbe-stunde Ertöne pfeif ein lied wie das der Mänal singt Der Mänal der viel bäum und grüne fichten bringt Die reden ihre brunst noch mit erblastem munde

Er hört ohn unterlaß der hirten lieb und glut Wenn Pan von flammen brennt und mit gekräncktem muht In seine pfeife bläft. Auf! singe diese reime Die Mänal täglich hört und die verliebten bäume.

Nun Mopsus Nisen krigt darf keiner nicht verzagen Man spannt ietzt greif und pferd an einen wagen ein Das reh wird mit dem hund in guter freundschafft seyn Und klinfftig gleichen tranck aus einem brunnen tragen.

Mops schneide fackeln zu die braut kommt in dein hauß Und streu nun als ein mann die nüsse hurtig aus. Es wil der abendstern die örter selbst verlussen Und meine pfeife sol ein volles lied verfassen.

Du bist des mannes werth hast alle sonst verachtet Du warest meiner zieg und meiner pfeife gram Daß ich mir niemals nicht verschnitt die augenbram. Das sonst ein sterblich mensch die götter nicht betrachtet

Ich habe dich gesehn in unsern zäunen gehn Die äpfel lesen auf der mutter gleiche stehn Und war auch führer selbst; seit aber diß geschehen Hab ich nach dreyzehn jahr erbärmlich leid gesehen.

Ich konte schon die äst biß an die erde beugen Als ich dich angesehn und auch zugleich entbrandt Als mir ein falscher wahn diß lieben zugesandt. Das meins pfeife nun kan nimmermehr verschweigen

Nun weiß ich was es sey in lieb und flammen glühn Es muß der Jsmarus der liebe kind erzihn. Die Garamanten selbst die müssen es erzeigen Aus unserm fleisch und blut kan dieses kind nicht steigen

Die ungeheure welt hat mütter oft beweget Daß mit der kinder blut sie ihre hand gefärbt Und diefe grausamkeit hat auch der sohn geerbt Der sohn der feur und glut in unsre hertzen leget

Wer tobt und raset mehr die mutter ist erhitzt Der kleine knabe trägt die pfeile zugespitzt Es kan des sohnes grimm der mutter rasen gleichen Eh meine pfeife schweigt so will ich selbst verbleichen.

So soll ein hungrig wolff vorm blöden schaff erschrecken Jetzt trägt ein eichen-baum der äpfel schönstes gold Narcissen werden nun der schlancken erle hold Und ein veracht gesträuch wird nichts als agtstein hecken

Die eule trotzt den schwan und Orpheus gesang Verlacht der Tytirus des Orpheus dessen klang Die wälder hat entzückt Arions die Delphinen Nur meine pfeife fort du must mir weiter dienen.

Der gantze ball der welt verwandelt sich in wellen Jhr wälder gute nacht lebt in stets frischer zier. Ich stürtze mich herab von diesem felsen hier. Läß dir des sterbenden verwesnen leib zustellen

Und nimm ihn zum geschenck. Als Damon diß gesagt Hat auch der ander hirt in antwort so geklagt: Jhr Musen sagt diß an: denn niemand ist vollkommen Jedweder kan nicht das was alle vorgenommen.

Bringt eilends wasser raus: die weichen opffer binden Gehören zum altar: Nim fettes eisen-kraut Und weyrauch den man gantz voll runder körner schaut Ich muß durch zauber-kunst den menschen überwinden

Jhm nehmen sinn und geist hier mangelt nur ein spruch; Daß Daphnis kommt zu hauß und ein gesegnet stuch Der kan den monden selbst vom hohen himmel führen Wie? konte Circe nicht Ulysses volck berühren?

Die kalte schlange wird vom zaubergifft zerspringen Mein sorgen würckt so viel daß Daphnis wieder kümmt Drey faden hab ich schon so dreymahl bunt bestimmt Und selbe sollen dir ich wil das bildniß bringen

Und tragen ums altar GOtt liebt ungleiche zahl Ach Daphnis komme doch auf meine bitt einmahl. Knüpf Amarillis nur drey farben in drey knoten Sprich: Venus knüpf ich diß die hat mirs auch geboten.

Führt meinen Daphnis heim ihr zauberreichen stimmen Schaut wie die liebe sich in heisses feur ausgeust. Wie dieser leim verdorrt wie dieses wachs zerfleust In flammen-reicher glut erhitzter liebe glimmen

Streu diß gereichte mehl brenn auch den lorber an Und ob nicht Daphnis brennt so thu ich was ich kan. Es wird im lorberstrauch zugleich der Daphnis brennen Schaft meine flüche schaft daß er muß zu mir rennen.

Ja eine solche lieb entzünde Daphnis hertze Wie wann ein junges rind durch tiefe felder schreyt Und seinen gatten sucht bald an des baches seit In mooskraut sich gestreckt und fleucht vor allem schertze

Und weichet nicht der nacht. So eine lieb umbringt Den Daphnis welche mir die kunst der kräuter bringt. Ein kind verließ er mir als seiner liebe zeichen Das will ich bey der schwell zur rach der erden reichen.

So eine gunst gebührt des Daphnis schnödem pfande Die kräuter diese gift so mir nechst Möris gab Die er am wilden meer mit fleiß gebrochen ab Denn viel desselben gifts wächst an desselben strande

Die haben Möris oft zu einem wolf gemacht Verstorbne seelen aus den tieffen gräbern bracht; Das ausgesäte korn wo anders hin verleitet Daß Daphnis aus der stadt doch nicht nach hauße schreitet.

Trag Amaril die asch in flüssendes gewäßer Und wirf sie hinter dich doch siehe nicht zurück So greiff ich Daphnis an so weder Gott noch strick Noch liebe binden kan: kein seegen macht ihn besser

Bemerckt indem ich mich in etwas nur versäumt Und so behende nicht die asche weggeräumt So fängt sie selbsten glut und bey den räuch-altaren Seh ich ein krichend feur und helle flamm auffaren.

Wohl das sind meiner lieb erfreute gnaden-blicke Ich weiß nicht was mir ist billt unser hylax nicht? So dünckt mich für der thür wie oder weils geschicht Daß die verliebten leut auch nur ein traum erquicke

Und daß sie ihnen selbst die ankunfft bilden ein. Last alle zauberey und allen seegen seyn Jhr stimmen Daphnis kommt er kommt ihr stim̃en schweiget Der Daphnis hat nun gunst und brunst mir zugeneiget.

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