Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Der weit-erschollne tod der schönen Sylvia Der nur der meynung nach nicht in der that geschah Gieng ihrem Celadon so ungemein zu hertzen Daß er das feld verließ und voll entbrannter schmertzen
In eine wüste lieff allwo er lange zeit Für vielen seuffzern schwieg: bald aber weit und breit (nachdem ein thränen-guß die erste regung stillte) Die ausgespannte Lufft mit diesen klagen füllte:
Betrübter Celadon was hastu doch erlebt? Ein liebes-faden ward mit weh und angst gewebt Mit schmertzen wird er nun auch wieder abgeschnitten. Du hast sehr viel gehofft noch aber mehr erlitten.
Ein tag schloß deinen geist in schwere ketten ein: Itzt heist ein andrer dich frey aber elend seyn. O himmel erd’ und lufft erhöret meine lieder! Schafft meine Sylvia schafft meine liebste wieder.
Mich dünckt ich kan den ort annoch im traume sehn Wo unser erster blick wo unser kuß geschehn. Hier hat das liebe kind mir blumen abgepflücket; Dort hab ich ihren mund mit süsser milch erqvicket.
Hier sang hier spielte sie dort weinte sie für leid Und küßte da sie schied mich voller traurigkeit. O himmel erd’ und lufft erhöret meine lieder! Schafft meine Sylvia schafft meine liebste wieder.
Die sterne strahlen sehr noch schärffer Cynthia; Doch lange nicht so schön als meine Sylvia. Für ihrem munde must’ Aurora selbst erbleichen; Narcissus durffte sich nicht ihren wangen gleichen
Ihr halß und ihre brust war schnee und elffenbein Ihr süsses augen-licht ein steter sonnen-schein. O himmel erd’ und lufft erhöret meine lieder! Schafft meine Sylvia schafft meine liebste wieder.
Wenn ich mein morgen-brod mit saltz und thränen aß So fiel sie neben mich in das bethaute gras Und sang ob wolte sie die gantze welt bewegen. Die winde musten sich auff ihre seuffzer legen:
Die blitze stunden still und Phöbus trat die bahn So offt er sie ersah mit vollen freuden an. O himmel erd’ und lufft erhöret meine lieder! Schafft meine Sylvia schafft meine liebste wieder.
Ihr qvellen die ihr mich mit wasser offt getränckt Ihr wisst wie sehr ich mich durch lieben abgekränckt: Doch wolt’ ich gerne noch mein gantzes gut hingeben Könt’ ich bey Sylvien nur arm und elend leben.
Ich liesse hauß und Hoff und alle schaafe stehn Und wolte wär es noth nach brodte betteln gehn. O himmel erd’ und lufft erhöret meine lieder! Schafft meine Sylvia schafft meine liebste wieder.
Ach! (sprach das arme kind beym scheiden für und für) Mein liebster Celadon das hertze sagt es mir Du wirst mich heute wohl zum letzten mahle sehen. So wie sie mir gesagt so ist es auch geschehen.
Ein tag und eine nacht begräbet mich und sie; Sie todt und ohne schmertz mich lebend und voll müh O himmel erd’ und lufft erhöret meine lieder! Schafft meine Sylvia schafft meine liebste wieder.
Ihr Götter saget nur liegt sie in eurer schooß So bitt ich sie vielleicht durch meine seuffzer loß: Hat sie der feuer-schlund der schwefel-lichten höllen So lösch ich ihre glut mit meinen thränen-qvellen:
Und hat sie endlich gar Neptunus tieffes hauß So zehr’ ich seinen strohm durch meine flammen aus. O himmel erd’ und lufft erhöret meine lieder! Schafft meine Sylvia schafft meine liebste wieder.
Jedoch es ist umsonst betrübter Celadon! Der himmel höret nicht mehr deiner lippen thon: Der wald erzittert zwar für deinen schweren klagen; Doch will er was du fragst nicht mehr zurücke sagen.
Feu’r wasser erd und lufft befördern deinen tod Und ieder augenblick mehrt deine sterbens-noth. Was sinnstu weiter denn auff ungereimte lieder? Du kommst zu Sylvien doch sie zu dir nicht wieder.
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