Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Mein hertze fleuch das glücke Und laß sein licht nicht deinen leit-stern seyn. Ein englisch auge führt offt geist und drachen-blicke Der himmel selber mischt in sonne regen ein.
So kan sein angesicht auch lachen und doch plitzen Und hüllt in rosen-pracht die schärffste dornen-spitzen. Die allerärgste sclaven Wirfft offt ein sturm an sichres ufer an:
Das glücke zeiget nur der hoffnung süssen hafen; Fleucht aber wenn ihr fuß am besten anckern kan. Denn lust und freude sind wie bunte regen-bogen Die eh man sie erkennt schon wieder abgezogen.
Der zucker unsers lebens Ist nur ein schaum der gall und wermuth deckt. Vernunfft und klugheit sucht das glücke selbst vergebens; Weil schlang und natter auch in paradiesen steckt.
Die gröste klugheit ist der zeiten grimm verlachen Und wie ein bienen-wurm aus schierling honig machen. In saltz und thränen baden Ist sichrer als auff sammt und purpur gehn.
Denn wenn die plitze gleich den ceder-ästen schaden So läst ihr donner doch geringe pappeln stehn. So fällt ein reicher auch offt schimpfflich zu der erden Wenn arm und niedrige zu grossen herren werden.
Was glück und gunst gebohren Schmeltzt mit der zeit wie schnee und kaltes eiß. Der aber hat noch nicht der freuden port verlohren Der nur den trauer-wind recht zu gebrauchen weiß.
Denn glück und ehre sind nicht kinder einer stunden Und werden nur wie gold durch müh und schweiß gefunden. Drum fleuch das falsche glücke Und trau mein hertz auff seine sonnen nicht;
Zeuch der begierden fuß von dieser spiegel-brücke Da gold und pfeiler so wie Porcellan zerbricht. Vielleicht kan schmertz und leid die deinen geist noch binden Bald deiner ehren band auff festen marmol gründen.
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