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1616–1679

Trost-schreiben über den todt einer freundin.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Geliebte Freundin wann mein brieff nach wermuth schmecket Wann Coloquinten er in seinen zeilen trägt Wann ihn statt rothem wachs ein schwartzes siegel decket

Und sich ein zittrend ach! in allen syllben regt; So wisse daß ich selbst mit schmertzen bin umfangen Diß blat wil meiner noth ein treuer zeuge seyn Denn da dein theurstes guth aus dieser welt gegangen

Mischt sich nicht ungereimt mein ach! zu deinem ein. Es hat die trauer-post mich allzusehr erschrecket Die dir ein treues hertz mir eine Freundin nimmt Und nichts als angst und weh in meiner seel erwecket

So daß mein hertze selbst in heissen thränen schwimmt. Drumb weiß ich fast auch nicht ob ich soll thränen schicken Ob aber hülff und rath vor deine todes-pein Die dich mit kümmernüß und trübsal will umstricken

Und dich heist ohne trost mich ohne freuden seyn. Zu thränen hat mich längst die freundschafft dir verbunden Sie ist ein festes band das uns verknüpffet hält. Kein wunder wann ich nun auch deinen schmertz empfunden

Und wann dein jammernd ach! auf meine geister fällt. Will gleiche freundschafft sich in gleichen seelen finden Wie kan es anders seyn sie fühlen gleiche noth Dein wohlseyn konte mich zuvor mit lust umbwinden

Jtzt ist dein trauer-stand mir ärger als der todt. Wie solt ich mich demnach zum troste wohl bequehmen Ich der ich selber fast ohn trost und hülffe bin? Kan man aus fremder noth offt rath und trost hernehmen

So tröste dich denn auch mit meinem krancken sinn. Kein ander mittel weiß ich dir itzt beyzubringen Schau meine schmertzen nur und meine wehmuth an Kan mich dein unglück nun zu solchem trauren zwingen

So weiß ich daß dich auch mein unglück trösten kan. Zwar ist der riß zu streng dem aller trost muß weichen Ein tieff-verwundtes hertz nimmt keine pflaster an. Wer unter todten steht wird selber offt zur leichen

Und lehrt daß nur ein grab die wunden heilen kan. Ich zweiffle nicht du wirst auch todten ähnlich scheinen Die du nur leich auf leich bißher erlebet hast; Vor kurtzem nöthigten zwo freundin dich zum weinen

Jetzt aber fühlstu erst die rechte kummerlast. Nachdem dein ancker selbst in tausend stück zerbrochen Auff welchen du bißher dein wohlergehn gesetzt; Und sich der grimme todt so starck an dir gerochen

Daß auch dein hertze selbst biß auf das blut verletzt. Kein wunder wann dir nun will alles licht gebrechen Wer schaut nicht finsternüß wann unsre sonn entweicht Wer kan von frühlings-lust und von vergnügen sprechen

Wann der ergrimmte nord durch unsre felder streicht. Wer kan großmüthig stehn wann wolck und donner krachen? Welch mensch schaut sonn und todt mit steiffen augen an? Wer kan wind hagel sturm und aller wetter lachen

Wenn unser schiff schon selbst mit wellen angethan? Es ist nur allzuviel das sehn zu grabe schicken Was wir mehr als uns selbst auf dieser welt geliebt. Auch palmen kan die last offt zu der erden drücken

Wie solt ein mensch nicht seyn ob solchen fall betrübt? Drum glaub ich leichtlich auch dein jammer-volles klagen Allein wo denckstu hin bey dieser traurigkeit? Wie lange wiltu noch die kummer-fessel tragen?

Soll dann dein ange nie von thränen seyn befreyt? Ach! Freundin weine nicht daß menschen sind gestorben. Dir ist nicht unbekandt des lebens strenge noth. Wer hat nicht angst und pein vor labsal hier erworben

Was tröstet endlich uns wohl bessers als der todt? Es ist dieß leben ja voll müh und voller sorgen Voll überdruß und pein so uns gefangen hält Wo thränen-reiche noth uns grüsset alle morgen

Wo neid und freundschafft uns viel tausend netze stelt. Wir martern mehrentheils uns selbst auch mit gedancken Und wehlen dornen uns offt zur ergötzligkeit Nicht selten strancheln wir in unsern glückes-schrancken

Biß endlich uns der todt den letzten fall bereit. Wer wolte demnach nicht getrost diß leben lassen So nichts als myrrhen uns und gall und wermuth zeigt? Wer wolte ferner auch diejenigen wohl hassen

Die schon den freuden-port der ewigkeit erreicht? So tröste dich dann selbst! zieh ein die schwere thränen Schau tod und leben nur mit rechten augen an. Ich weiß du wirst dich selbst von dieser erden sehnen

Und sagen daß der todt dir nicht zu viel gethan. Nun Freundin du wirst auch diß biat nicht tadeln können Das dir mein leyden hat so kühnlich dargestellt; Zwar hat das schicksal mir nicht eher wollen gönnen

Daß meine wehmuth sey zu deiner noth gesellt. Doch ist die kummer-post mir schon was spät gekommen So wird ein solcher todt doch nicht zu spät betraurt Denn deine freundin ist auch mir zu früh genommen

Und wird von mir so starck als von dir selbst bedaurt. Wiewohl ich hoff du wirst in diesem fall dich finden Es kennt dein hoher geist den wechsel dieser zeit Es wird der himmel selbst die wunden dir verbinden

Der uns nach angst und pein auch wiederumb erfreut. Das wetter pflegt nicht stets mit donner uns zu schrecken Auff finstre kummer-nacht folgt endlich sonnen-schein. Das feld so ietzund nur will dürres gras bedecken

Kan doch im frühling drauff die schönsten blumen streun. Nach dieser thränen-saat wirstu ins künfftge lachen Alsdann wird deine lust auch mein vergnügen seyn. Solt aber noch indeß ein brieff mich glücklich machen

Wird aller unglücks-blitz mir selbst zum sonnenschein.

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