Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Ich weiß nicht was dein Brief vor Regung in mich jaget Ein Wort das warnet mich das andre dreu- et mir
Es scheint wie ieder Reim mir in die Ohren saget Ach Rudolph siehe dich auch vor dir selber für. Ich sage wie es ist ich kam hieher zufragen Was vor ein stoltzes Haubt die welsche Crone sucht
Man schaute dieses Heer Schwerdt Pfeil und Feuer tragen Es ward Pavie und du von iederman verflucht. Mein heisses Hertze lag voll heisser Zornes Flammen
Mich deucht ein Blick von mir der steckte Dörfer an Wie reimt sich aber heut und gestern doch zusammen? Wohl dem der allezeit beständig bleiben kan. Jhr Frauen traget nur das Kraut in euren Händen
So Stahl zu weichem Wachs und Stein zu Wasser macht Jhr könt O schöne Kunst den Himmel selbst verblen- den
Und seyd bey eurer Lust auf unsre Noth bedacht. Jhr brauchet unsern Witz als wie das Schilff im Strande Bald richtet ihr ihn auf bald drücket ihr ihn ein
Jhr baut euch eine Burg aus Steinen unsrer Schan- de Und heist uns offtermahls nur viertel Menschen seyn. Jhr streicht oft unser Schwerd damit ihr wolt ver-
wunden Mit süssen Balsam an schlagt und beklagt zugleich Der Krancken lachet ihr und schont nicht der Gesun- den
Und unsre Dienstbarkeit ist euer Königreich. Das weigern wisset ihr mit Freundschafft zuverkleiden Jhr weint bey dessen Noth der euch doch Thäter nennt Jhr überredet uns in Wehmuth selbst zu leiden
In dem uns Hertz und Geist ohn alle Hülffe brennt. Jhr seyd ja der Natur berühmte Wunderwercke; Man nennt euch kalt von Arth und steckt die Männer an
Man heist euch schwachen Zeug und spottet unsrer Stärcke Man braucht euch nicht in Krieg und führt die Sie- ges Fahn;
Was wil ich aber euch noch Ehren Säulen bauen Es ist zuviel gebaut man macht mich selbst dazu Ich meinte Pavie im Feuer anzuschauen Was itzo brennen soll O Hertze das bist du.
Ich bin nicht was ich war ich bin mir frembde wor- den Mein Fessel lieb ich mehr als vormals Helm und Schwerdt
Diß Leiden nennt mein Brief zwar einen strengen Or- den Doch in den Hertzen schein ich nicht der Marter werth. Die Wunden jucken mich ich spiele mit den Banden
Der Ketten scharffer Schall ist mir ein Lautenklang Ich lache wenn mein Schiff der Freyheit komt zustran- den Und Seuffzer seyn nunmehr der beste Lobgesang.
Nun Ermegarde schau diß was du selbst erfunden Ließ diesen kleinen Brief den deine List erdacht Die Dint’ ist anders nichts als Blut aus meinen Wunden
Durch heisse Liebes Brunst verbrennt und schwartz ge- macht. Für dir leg ich gebückt die steiffe Lantze nieder Mein Helm berührt itzund in Demuth deinen Fuß
Und ist ein König dir nicht allzusehr zuwieder So geb ich als ein Knecht dir einen heissen Kuß. Mein wohlgewapfnet Heer gedenck ich zuverlassen Und werde nu verblendt ein Possen Spiel der Welt
Will mich dein schöner Arm mit seiner Gunst ümfas- sen So mein ich daß ich sey dem Himmel zugesellt. Der Purpur den dein Mund auf seinen Lippen führet
Das Gold so die Natur in deine Haare flicht Und mehr das süsse Gifft so deine Briefe ziehret Hat mich wie starck ich war verborgen hingericht. Mich däucht ein süsser Dampf stieg aus den kleinen
Schreiben Es grief ein Nebel mich und meine Kräfften an Ich fühlte mich alsbald durch eine Regung treiben Der auch die Herrschafft selbst muß werden unterthan.
Sie riß mich aus mir selbst sie brach mir Geist und Willen Und machte daß ich itzt mir nicht mehr ähnlich bin Sie hieß auch diesen Trieb den du erweckst erfüllen
Und giebt mich endlich dir als einen Sclaven hin. Es mag mein Heer nunmehr nach seinem Willen le- ben Als Feld Herr schau ich itzt nicht ihren Thaten zu
Es mag ein ieder sich wohin er will begeben Die Lieb ist ietzt mein Krieg die Walstadt aber du. Ich acht es nicht zuviel was der und jener saget Was trift auf dieser Welt der Menschen Urtheil nicht?
Wer alles tadeln wil was andern wohl behaget Wird endlich durch das Schwerdt des Unmuths hin- gericht. Und wer auch alles fleucht was der und jener hasset
Erkieset nimmermehr was rechte Freude heißt Ich folge diesem Zaum an den ich bin verfasset Und der mich itzt erhitzt zu deinen Brüsten reißt. In sieben Stunden will ich dem Gesichte schauen
Ich wart’ auff nichts so sehr als auff die Mitternacht Ich hoff auch eh’ es tagt ein Lusthauß mir zubauen Da die Ergetzligkeit mit klaren Augen wacht. Ich will auf deiner Brust in Freundschafft mich um-
schantzen Umbzirckt mit heisser Lust entnommen der Gefahr Wir wollen mit bedacht des Friedens Oelzweig pflan- tzen
Davor der Krieges Dorn mit seinen stacheln war. Es mag mein kühnes Heer sich wie es will ergetzen Es bleibt ein ieder ihm nur selbst der beste Rath Sie mögen Jhren Fuß auf Woll’ und Rosen setzen
Nach dem sein Paradieß ihr Fürst gefunden hat; Doch treibet sie die Lust zu mehrem Streit und Krie- gen So wiederfahr’ ihn’ diß was itzt ihr Wunsch begehrt
Ich trachte diese Nacht im Felde nicht zu siegen Und meine Freud ist mehr’ als ihre Beuthe werth. Und sagte gleich die Welt ich hätte sehr gefehlet Wer fehlt und fället nicht? Ich bin ein Erdenkloß
Es ist mir fall’ ich gleich ein schöner Orth erwehlet Ich falle nirgends hin als nur in deine Schoß.
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