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1616–1679

Rosemunde an Siegreichen.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Mein Held sey itzt ümkräntzt von tausend Lor- berzweigen Es stellen Ost und West sich zinsbar bey dir ein

Es müsse sich die Welt vor deinem Throne neigen Und aller Völcker Gold dir Cron und Scepter seyn. Wünscht deiner Mägde Magd die nichts hat zugeweh- ren

Und auch nichts würdig ist: Was aber will ein Brieff Von ungemeiner Hand und eyfrigen Begehren Der heut’ üm sieben Uhr in meine Hände lieff? Mich daucht’ ich säße schon umbzirckt von Nacht und

Schatten Es blickte mich kein Stern mit seinen Zwinckern an So darf ich wie es scheint fast in ein Licht gerathen Dem auch die Sonne selbst sich nicht vergleichen kan.

Ich hofft’ ich lege nu in meiner Ruh vergraben Es kennte mich vielleicht der nechste Nachtbar nicht So soll ich nunmehr selbst in mir Verräther haben Und zeucht ein schlechtes Lied mich in das Tage Licht.

Ich weiß nicht wie mir ist und was ich soll beginnen Ob Aug’ und Ohre mir die Zauberey bestrickt Ob mich ein todter Schlaf hat überreden können Daß Siegerich mich kennt und mir ein Schreiben

schickt. Wie woll’ ich aber doch nicht meinen Augen trauen? Ich wach’ und schlafe nicht ich rede mit Verstandt Ich kann den kleinen Brief erbrechen und beschauen

Und höre diesen Freund den du hast abgesandt. Es ist kein Bild vor mir ich fühl’ ein wahres Wesen Ich weiß das dieses Wachs ein hohes Siegel ist Ich küsse was ich itzt von grosser Hand gelesen

Wie aber daß man mich zuschauen auserkiest? Mich eine schlechte Magd und arm von allen Schä- tzen Die sonsten die Natur den Frauen beygelegt

Mich die sich schämen muß sich in den Orth zusetzen Wo Schönheit und Verstand zusammen seyn gepregt. Mein schwaches Auge kan die Strahlen nicht vertrage Ein schlechter Zeug wie ich wünscht keinen hellen

Tag Es darf sich ja das Wachs nicht in die Sonne wagen Man weiß wohl daß ein Glaß die Gluth nicht leiden mag.

Der Schatten ist mein Freund dazu ich bin gebohren Es bleibt die Einsamkeit mein bestes Vaterland Ich habe zu der Fahn der Dürfftigkeit geschworen Und bin wie mich bedeucht der Welt durch nichts be-

kant; Ich habe mich bemüht in mich mich zuverschlüssen Und meine gröste Lust war nicht bey Lust zuseyn Mein Geist hat nicht gewünscht die Pracht der Welt

zuwissen Der Einfallt stelt ich mich zu einer Sclavin ein. Mein gantzes Trachten war mein Armuth zuverhölen Mein enges Zimmer hieß ich eine weite Welt

Der Schatten bleibet doch der Port geringer Seelen Und kein gemeines Fleisch wird Göttern fürgestellt. Es will ein Held mich itzt aus meinem Lager treiben Und meine Freyheit soll nunmehr zu Hofe gehn

Wie soll ein schwaches Kraut in frembder Lufft beklei- ben Wie soll ein Schwefel Licht bey grossen Fackeln stehn? Wie soll ich arme Magd doch grosse Herren speisen?

Ich weiß kein Keyser Brodt und kan kein Himmels- Lied Man saget allzuviel von meinen schönen Weisen Ich weiß nicht wer zu erst auf diesen Wahn gerieth.

Bißweilen hab’ ich zwar ein kurtzes Lied ertichtet So schlecht von Weis’ und Art mir gleich und ähnlich war; Es scheint das Sprichwort sey nu gantz auf mich ge-

richtet Die Stimme bringet oft den Vogel in Gefahr. Wiewohl mein schlechter Mund gewißlich nichts ge- sungen

Was sich erkennen kan der Helden Ohren werth So machet doch itzund der Lobspruch frembder Zun- gen Daß meinen schlechten Thon ein grosses Haubt be-

gehrt. Darff ich mich noch ein Wort zumelden unterwinden Ist eine Zeile noch itzt deiner Magd erlaubt So laß mich Arme doch bey dir Genade finden

Und wirf den Strahl der Gunst doch auf ein höher Haubt. Laß mich doch unbekand in meinem Hause sterben Und zeuch mich Arme nicht aus meiner tieffen Nacht

Ich mag kein ander Lob auf dieser Welt erwerben Als das kein Herren Hof mich hat bekant gemacht. In Wolle will ich mich und nicht in Seide kleiden Und warten biß mich Gott von dieser Erden rückt

Die Amberkuchen kan ich ohne Schaden meiden Und meine Lenden seyn zum Purpur nicht geschickt. Mein Held sprich mich doch loß und laß mir meine Hütte

An mir ist umb und umb gewißlich nichts vor dich Erwehle dir ein Weib vom Fürstlichen Geblüthe Kan auch was schlechters seyn auf dieser Welt als Ich?

Doch alles ist umsonst mein Bitten ist verlobren Mein sorgenreicher Wunsch erreicht kein rechtes Ziel Mein Schreiben das verdirbt ich singe harten Oh- ren

Der Helden Wort begehrt den Wiederschall: Ich will. Jhr Bitten ist umbzirckt mit tausend Donnerkeilen Das Weigern ist vor Sie ein neuer Apffelbiß Jhr Wollen ist Geboth ihr Wincken heist uns eilen

Und was unmöglich scheint das machet uns gewiß. Ich komme weil ich muß doch voll von Angst und Za- gen Und mein Belieben ist entfernt von meiner That

Ich soll mich auf das Eiß des glatten Hofes wagen Da mancher junger Fuß vor mir geglitten hat. Der ungemeine Glantz verblendet mein Gesichte Und was geschehen kan macht mir das Hertze kalt

Denn bey der Hofekost ist fast kein gut Gerichte Und eine Jungfrau wird zu Hofe selten alt. Ach Held! bedecke mich mit Flügeln deiner Tugendt Ich laß’ auf dein Geboth Gespielen Freund und

Hauß Und dir vertrau ich itzt die Rosen meiner Jugendt Doch läßt du Bluhmen ein so laß auch Bluhmen aus.

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