Skip to content
1616–1679

Reinier an Algerthen.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Algerthe schreibt zuviel! Ich kenne kein verja- gen Mein Kleinoth ist das Reich und du sein bester Stein

Es wird die Nachwelt mir nicht wissen nachzusagen Das deine Schönheit wird verstossen worden seyn. Es soll dich meine Hand nicht auß dem Lande trei- ben

Ich denck an deine treu und kenne meine Pflicht Du solt in meinen Reich und deinen Ehren bleiben Denn meine neue Brunst verlescht die alte nicht. Ich bin ein Held und weiß dich Heldin auch zulieben

Ich schau dich noch erhitzt und blutig vor mir stehn Den abgematten Feind für deinen Augen gieben Und deinen strengen Fuß durch blasse Leichen gehn. Mich deucht ich spühre noch das Böben deiner Brüste

Darauf der Schweden Bluth dir als Corallen stund Ich weiß was mir gefiel als ich dich erstlich küste Und in der neuen Lust befeuchte deinen Mund. Die süsse Kützelung laufft noch durch meine Lenden

Als ich die Erstlinge von deinen Bluhmen brach Und mein Ja geht was Gunst betrifft gewißlich keiner nach. Die Pfänder so du mir hast auff die Welt gebohren

Die mich in süsser Lust offt haben angelacht Verjüngen mir itzund diß was ich dir geschworen Und stärcken mir den Bund den ich mit dir gemacht. So redet die Natur doch muß Sie Sclavin werden

Man schauet wie sie sich offt meistern lassen muß Wie offt Sie zinsbar wird den zeitlichen Beschwer- den Und durch den Zufalls Trieb verändert Gang und Fuß

Du weist wie Könige ein schweres Eisen plaget Wie Jhre Crone Sie in Fessel hat gebracht Wie offt ein hoher Schluß Sie aus sich selber jaget Und stetig die Gefahr für Jhren Throne wacht.

Diß alles nötigt mich auf ander Art zu dencken Als wol die Eigenschafft von meinen Hertzen will Die Liebe heist mich zwar auf dich mein Auge lencken Doch meines Reiches Nutz verrückt mir Maß und

Ziel. Ein Wetter so mit Blitz und harten Donner dreuet Begint ein neues Joch und meistert meinen Sinn Was ich zuvor gethan hat mich zwar nicht gereuet

Doch wird die Furcht forthin zu meiner Kuplerin; Der Schweden starckes Reich muß ich zum Freunde haben Es ist ein eisern Schild der mir mein Land bedeckt

Die Milch von Jhrer Gunst kan meinen Adel laben Wie Wermuth ihres Grims Jhm alle Krafft ersteckt. Und diese Freundschafft muß nur Eh und Blut ver- binden

Der Sachen Eigenschafft erfordert solches Pfand. Wer rechnet in der Welt der Fürsten kleine Sünden Wann sie nur seyn gethan zu stärcken Stand und Land?

Der Grund von meiner Ruh ist sonst auf nichts zu- legen Als auf derselben Schoß die Schweden Fräulein nent; Aus diesem kanstu nun den starcken Zug erwegen

Der mich dir unverhofft von deiner Seite trennt: Ich glaube leicht daß dich ein süsses Angedencken Der abgelebten Zeit mit Dornen überstreut Doch konten Cronen dich in Hochmuth nicht versen-

cken So trag’ auch mit Gedult der Dornen Bitterkeit. Ich weiß so wohl als du diß was ich dir geschworen Wohl dem der seinen Eyd zu halten sich befleisst;

Doch bin ich vor das Reich mehr als vor dich geboh- ren So meine Mutter ist und mich doch Vater heisst. Und laß’ ich gleich itzund dich ferner zu berühren

Beklagstu daß mein Mund den deinen meiden muß So wird doch keine Zeit dir diesen Ruhm entführen Daß dir ein König gab den ersten Liebes Kuß; Die Früchte so durch mich aus deiner Schoß gestiegen

Sind Zeugen was Ich dir zu leisten schuldig sey; Die Tugend schlummert nicht und bleibt auch nicht verschwiegen Sie kennet keinen Sarg und ist vom Tode frey.

Was wiltu mehr als diß wenn ich die Nachwelt lehre Algerthe hat den Printz der Schweden ümbgebracht Jhr Tugendhaffter Geist erwarb’ Jhr auch die Ehre Daß Sie mein Lager hat zu einer Frau gemacht.

Ich war ihr Mann und Freund und kan sie noch nicht hassen; Wiewohl ich Jhren Leib den schönen Leib verließ Der Schweden Fräulein must ich ja vor sie ümfassen

Dieweil es mich die Noth doch nicht die Liebe hieß. Was aber laß ich doch? Den Leib mit seinen Gaben Diß alles wird ein Raub der leichten Zeit genennt; Die Geister so einmahl sich fest ümbwickelt haben

Und mehr als Schwestern sind verbleiben ungetrennt. Mein Geist wird deinen Geist stets Freund und Bru- der heissen Sie schmecken einen Kuß den nichts vergällen kan;

Sie kan der Zeiten Sturm nicht von einander reissen Der Himmel legt sie selbst mit neuen Kräfften an. Entgeht dir gleich mein Leib so bleibt dir doch die See- Die Schwedin soll mir Gold du aber Silber seyn (le

Und daß ich Liebster Schatz ja nichts für dir verhöle Wir stellen nur die Eh’ und nicht das Lieben ein; Und unser lieber Sohn die Frucht der ersten Küsse Friedleben sey ein Herr Norwegens mit der Zeit

Ich will daß dieses Wort mit seiner Krafft versüsse Der Dreuung Ungemach der Zeiten Bitterkeit. Die neue Liebe wird die alte nicht verjagen Dein Angedencken ist zu tieff mir eingepregt

Was ich zuvor geküst das küst’ ich mit Behagen Jtzt küß ich was die Noth mir an die Seite legt. Algerthe weine nicht erfrische deine Sinnen Es wird dein Ehren Ruhm durch meine Hand bedeckt

Und glaube daß kein Kuß mich wird erfreuen können Dafern sein Zucker nicht nach deinen Lippen schmeckt.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.