Skip to content
1647

[Niemand weiß wie schwer mirs fällt]

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Niemand weiß wie schwer mirs fällt Flammen in der brust zu hegen; Und sie dennoch für der welt Nicht ans freye licht zu legen.

Feuer läst sich nicht verhelen; Denn sein glantz ist allzuklar Und die glut verliebter seelen Macht sich selber offenbar.

Hundert augen die von neid Und von lauter argwohn brennen Sind auff mich zu sehn bereit Ob sie was vermercken können.

Noch verberg ich meine schmertzen Daß man keine funcken sieht Da die liebe doch im hertzen Wie ein andrer Aetna glüht.

Dieses ist der liebe kunst Amor suchet finsternissen Und von seiner stillen brunst Muß der helle tag nichts wissen.

Venus bricht mit ihrem sterne Erst bey dunckler nacht herein Daß die zarte jugend lerne In der liebe heimlich seyn.

Drum gewehne dich mein muth Deine flammen zu verschweigen; Laß von der verborgnen glut Weder mund noch auge zeugen.

Must du dich gleich etwas zwingen Ist gleich die verstellung schwer; Aus den allerschwersten dingen Kommt die gröste lust offt her.

Perlen liegen eingeschrenckt In den harten muschel-häusern. Wer auff frische rosen denckt Sucht sie in den dornen-reisern.

Honig ist nicht ohne bienen. Wer in Canaan will stehn Muß erst in Egypten dienen Und durch meer und wüsten gehn.

Vielleicht wird des himmels gunst Mir das glück noch künfftig gönnen Daß die kohlen meiner brunst Offenbarlich trennen können.

Itzo schreib ich meinem hertzen Diesen wahren denck-spruch ein: Feuers-glut und liebes-schmertzen Müssen wohl bewahret seyn.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
[Niemand weiß wie schwer mirs fällt] · Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau · Poetry Cove