Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Ein könig Galliens nicht aber heisser triebe Schreibt Valiere dir zu klagen seinen stand. Der himmel der mich kennt weiß auch daß ich dich liebe Und kostete dis wort mir scerter cron und land.
Die Liljen meines reichs sind denen nicht zu gleichen Die dir der bunte lentz auf wang und brüste trägt. Und pflegt kein weibes-bild dis kleinod zu erreichen So wisse daß sein Fürst sich dir zum füssen legt.
Ich weiß nicht was ich bin und was ich hiermit werde Ich blende meinen glantz dich deutlich anzusehn. Carl ließ ein Käyserthum mit einem kuß der erde Ich küsse noch ein weib mein Franckreich zu verschmähn.
Du Valiere bist zu meinem trost erkohren; Mein recht und Parlament halt ich in deiner schoos Ich bin so wohl vor dich als dessen hefft gebohren Nur schätze wie man pflegt mich darzu nicht zu groß.
Es krönt das regiment nur könig stand und häuser Allein die liebe weiß von keiner Policey Wer am getreusten liebt erweißt sich einen käyser Und der sich neigen kan erblickt wie groß er sey.
Ich aber wünsche ietzt ein Fürst zu seyn im lieben So leg ich ausser dir auch meinen Purpur hin Der Even schönheit ward aus ihres Adams riben Wie wird mein gegenstand nicht gleichfalls was ich bin;
Da doch die sonne selbst sich nicht kan selber speisen Und meistens unter sich die heissen stralen streckt Der Agtstein ziht nur spreu und der Magnet nur Eysen Was wunder wenn auch uns der seichte zucker schmeckt.
Wiewohl du werthe bist kein irdenes gethöne Die Perlen-muschel hat dich Venus uns gebracht. Die Moren wehlten sich beherrscher nach der schöne Ich weiß daß diß allein dich zur regentin macht.
So werde denn noch heut regentin meiner seelen Was du nach meinen wunsch vorlängst gewesen bist Das ewge feuer brennt zwar nicht in allen hölen Doch gläube daß bey mir was unauslöschlichs ist.
Mein hertze das durch dich in meiner brust entglommen Hat auch auf ewig dir geschworen seinen brandt. Du siehest feur und herd wie kan es dir entkommen Verware dies nur selbst du hast es in der hand.
Du bist die Vesta mir die flamme zu erhalten Ich aber trage feur den liebes-Ampeln zu. Laß durch verachtung nicht das opffer-öl erkalten Und weise daß dein hertz so lieblich sey als du.
Ein schatz der dein zu seyn viel schlösser hat durchbrochen Kan dir mein auffenthalt nicht wol zuwider seyn. Und was dich durch sich selbst zu einen raub bestochen Schlist billig deine hand geheimen zimmern ein.
So liebe was dich liebt und dich erwehlt für allen Du weist daß demuth auch der himmel lieben muß. Kan als ein könig ich nicht deiner gunst gefallen So gib als knechte mir den allerersten kuß.
Und zwar du bist zu klug mir dieses abzuschlagen Dein aug ist zu magnetsch für ein Demanten hertz. Der dich erheben wil muß über schmach nicht klagen Ich weiß nicht warum du verschmähest meinen schertz.
Mein bette das erfüllt kan dich in nichts erschrecken Ob die gemahlin gleich hier findet schlaff und traum. Du liegst an meiner stat und ich wil dich bedecken So hat dein zarter leib an meiner stelle raum.
Liegt keine Sara gleich der Hagar hier zur seiten Nachdem sie täglich selbst noch Hagar werden kan So will doch meistens dir ich meine pulster breiten Nur schau ein neben licht mit keinem eckel an.
Du weist es ohne dis daß mich ihr zug nicht treibe Wie gegen ihren Nord nicht meine nadel steht Was hilfft die morgenröth auf ihrer lippen-scheibe Wenn in den augen nicht die doppel-sonn aufgeht
Die brüste die ihr zwar noch regt ein trieb der sterne Sind da ich dich gesehn doch aller perlen leer. Die liebligkeit spielt hier in schalen sonder kerne; Und ihre liebes-see ist wie ein todtes meer.
Manch mensch ist schön genung doch mangelts ihm am reitze Wie mancher Diamant nicht rechte stralen spielt. Der Marmel brauchet Stahl und schönheit anmuths-beitze Die der empfindlichkeit den pulß allein befühlt.
So triffts daß vieles eyß bey Aetnens flammen bleibet Wo Salamander doch zu aschen worden sind. Und daß ein ander feur uns Heclens schneeklufft treibet Wo ein erhitztes aug sonst seine nahrung sind.
Besonders nistelt sich der eckel in dem bette Das zwar vermählete doch todte schönheit hegt; Das eheliche band wird denn zur sclaven-kette Wenns die ergötzligkeit nicht an den armen trägt.
Ich schreibe was ich weiß und was ich selbst erfahren Ich spüre nur verdruß von der gemahlin brunst. Wie thöricht ist es doch sich nach gemählden paaren Und auff ein trügend bild zu werffen seine gunst.
Doch kan ich ihrer mich nicht gantz und gar entreissen Der fessel so mich drückt hängt an der ewigkeit. Ich muß bey meiner eron zu dienen mich befleissen Weils meines reiches nutz und wolfahrt so gebeut.
Ein könig ist wohl herr nicht über das gesetze Zumahl die die natur in fleischern tafeln schreibt. Und bleib ich gleich ein fürst nachdem ich sie verletze So weist du daß mir doch ein andrer richter bleibt.
Du aber solst hierdurch mein engel nichts vermissen Was sie gezwungen kriegt das geb ich willig dir. Die lust die du mir machst wil ich auf ihr verbüssen Komt gleich ein ieder kuß aus einem mund herfür.
Du siehest meinen leib in zweyen armen schweben Die lincke greifft nach dir wenn sie zur rechten steht Denn pflegt uns diese gleich das vorzugs-recht zu geben So weiß doch iedermann daß die von hertzen geht.
Sonst soll kein dornen-strauch in deine rosen sitzen Trotz dem der übermuht an dieser stauden übt Ein König der sie pflückt der wird sie auch beschützen Gnug daß dich Galliens gesalbter König liebt.
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