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1616–1679

Lettice von Hort an Ti- balden.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Djß was der Himmel noch gedenckt aus mir zu- machen Und waß mein Hertzog ietzt in seinem Schilde führt

Ist allzuhoch vor mich es seyn mir frembde Sachen Ich habe noch allhier den Zweck nicht recht gespührt. Ich muß gestorben seyn doch darf ich nicht verwesen Ich lerne wie mich hat der gantze Hoff beklagt

Ich kan ietzt den Bericht von meinem Tode lesen Und hören was wir hat die Grabschrifft nachgesagt. Dort läutet man mir aus hier soll ich Briese schreiben Die Todten Messe geht mich noch zur Zeit nicht an

Ich kan noch unverblast bey andern Menschen bleiben Die Fäulnis hat mir noch kein grosses Leid gethan. Wird aber dieses Spiel zuletzt uns auch gelingen? Ein Mensch der gläubet oft was er nicht tadeln darf

Wir können wohl den Mund doch nicht die Hertzen zwingen Und die verschmitzte Welt schaut itzund allzuscharf: Der Hof so mich vielleicht zum Scheine will beklagen

Und der so meinen Tod dem Volcke kund gethan Spricht etwan bey sich selbst was hat man hingetra- gen Diß was der Hertzog liebt und nicht verlassen kan.

Und die Gemahlin selbst so meinen Todt beweinet Die weint wohl daß sie mich nicht recht vor Leiche hält Wer alles was er sieht gantz wahr zuseyn vermeinet Erkennet noch nicht recht die Farben dieser Welt.

Wir dencken manchesmahl den Nechsten zuberücken Und er ja wir durch ihn berücken uns zugleich Granaten seyn voll Kern’ und Menschen voller Tü- cken

An Wercken bettelarm und an Gedancken reich. Du meinst der Fürhang sey vernünfftig fürgezogen Und dieses was du spielst verstünde keiner nicht Ach dieser Spiel Platz hat den Spieler oft betrogen

Und unser Heimligkeit gestellet an das Licht. Gesetzt mich hielte nun der Schatten gantz umgeben Es glaubte Nord und West ich leg’ in einer Gruft Es hiesse mich die Zeit ohn alle Sorgen schweben

Wir hetten alles diß was unser Seele ruft. Wie lange wird uns wohl die dicke Wolcke wehren? Wie lange wird uns wohl umhüllen diese Nacht? Die Brunst wird endlich selbst bekand zuseyn begehren

Die nach Gewohnheit sich zu einer Glocke macht. Du weist es Lieb und Gluth läst selten sich verdecken Es ist ihr heisser Grund von gleicher Eigenschafft Sie findet Raum und Luft an allen End und Ecken

Und suchet durch den Zwang offt ihre beste Krafft. Beym Fürhang unsrer Brunst irrt vielmahl Hand und Hertze Inwillens fürzuziehn so ziehn wir alles auf

Wir fassen vor den Stab oft eine helle Kertze Und unsre Tämmung macht oft einen Wasser Lauf. Anstatt verhüllt zuseyn läst man den Mantel fahren Vor Riegel kommen uns die Schlüssel in die Handt

Vor dem Beschauer zeigt man oft verbothne Wahren Und ein zufreyes Nein macht unser Ja bekannt. Es scheint uns manchesmahl es ist der Liebe Weise Besonders wo sie recht die Wurtzel hat gestreckt

Als giengen wir auf Filtz und thäten wunderleise Und würden durch den Schild von unsrer Kunst be- deckt. Da doch ein iedes Kind auf uns mit Fingern zeiget

Und saget: Dieser ists der dis und jenes sucht. Wir armen Menschen seyn uns allzusehr geneiget Und hören oft ein Lob wenn uns die Welt verflucht. Es spielt der Selbstbetrug uns stetig um das Hertze

Er setzt uns Prillen auf dadurch man nichts erkiest Und daß ich nicht zusehr auf Eiß und Stacheln schertze Der Himmel hasset dis was unsre Wollust ist. Wird dieser der mit Blitz und scharffen Donner schre-

cket Auch dieses geile Spiel zustöhren mit der Zeit? Vor dem der alles sieht bleibt keine that verdecket Und hätt’ auch Atlas sie mit seinem Schnee bestreut.

Der kan den Zucker uns zu herben Wermuth machen Und dessen Liebligkeit verkehren in ein Gift Er kan in Ach und Weh verwandlen unser Lachen Und schaffen daß uns Spott und aller Jammer trift.

Doch weiß mein Hertzog ich dir nicht zuwiederstreben Ich weis wie hoch ich dir als Magd verbunden bin Es hieß mich deine Gunst in Gold und Purpur leben So nim was dir behagt auch wieder von mir hin.

Denn deiner Hände Werck will ich mich ewig nennen Du hast mich aus dem Thal auf Zinnen hingestellt Auf Wincken deiner Lust soll dir mein Hertze brennen So dir so gut es kan auch itzt zu Fusse fällt.

Auf deinem Brunst Altar in Asche zuverstieben Soll meiner treuen Pflicht an statt des Himmels seyn Beschleust der Hertzog mich als seine Magd zulieben So stell’ als Opffer ich mich seinen Flammen ein.

Ich will immittelst hier in meinem Grabe bleiben Wo diß dem Grabe gleicht wo Gold und Perle gläntzt Wo mir die schöne Zeit die Langmuth kan vertreiben Und grüner Bäume Pracht das hohe Schloß um-

gräntzt. Ich will mir auch ein Schloß in diesem Schlosse bau- en Dahin ich mit der Zeit den Hertzog führen will

Du solst alsdenn mit Lust den süssen Willen schauen Trifft meine Dürfftigkeit gleich nicht das rechte Ziehl. Könt’ ich in Honigseim mir meinen Mund verkehren Könt’ ich in Schwanen doch verkleiden meine Brust

Könt’ ich mit linder Hand dir eine Lust gewehren Die auch die Liebligkeit zuvor nicht hat gekost. Könt’ ich als Balsam doch auf deiner Schoß zerflüs- sen

So meint’ ich daß das Weib durch die die Sonne muß Mir an der Würdigkeit wohl würde weichen müssen Denn Ich bin mehr als Sie Sie krieget keinen Kuß.

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