Ich schreibe nicht zu viel, preißwürdige Florette!
Dein auserlesner brief fällt meiner feder bey.
Apollo selber spricht: daß nichts so schön und nette
Als dein beliebter vers, o andre Sapho! sey.
Und darum darffst du dich des dichtens gar nicht schämen.
Die sonne schämet sich der goldnen strahlen nicht.
Ich aber möchte wol vom Pindus abschied nehmen,
Weil meine schlechte faust doch keine lorbeer bricht.
Wenn auch ein adler mir schon seine federn schenckte,
So wüst’ ich dennoch nicht, wie man sie führen soll,
Weil sie kein hoher geist, als wie der deine, lenckte.
Allein Florette schreibt mit ieder feder wohl.
Drum ist es nichts als schertz, wenn deine Muse klaget;
Daß ihr Leander nicht die hand im dichten führt.
Denn was sie von der krafft der süßen worte saget,
Ist, glaub’ es nur, ein lob, so dir allein gebührt.
Ich weiß die steine nicht, wie Orpheus, zu bewegen,
Man sieht sie noch, wie vor, an ihrer stelle stehn.
Und könten sie sich auch, bey meinem singen, regen,
Sie würden vor verdruß mir aus dem wege gehn.
Indessen wilst du doch, daß ich noch ferner dichte:
Und weil du so befiehlst, so dicht ich, wie ich kan.
Denn schämt sich meine nacht schon vor dem hellen lichte,
So steht mir dennoch auch kein ungehorsam an.
Wiewol ich kan in dem dir nicht gehorsam leben,
Was deines briefes schluß von meiner hand begehrt.
Denn deine schreiben sind nur würdig aufzuheben,
Leanders aber nichts als heisser flammen werth.