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1616–1679

Juthe an Przetislauen.

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Empfindst du daß mein Brief dir nicht nach Rosen schmecket Ist dieses schlechte Blat nicht Biesemkuchen voll

So dencke nur es ist mit Klosterstaub bedecket Und wer verstohlen schreibt schreibt selten allzuwohl. Ich bin gantz ungewohnt die Feder recht zuführen Ich kenne noch den Marckt der schönen Worte nicht

Es weiß kein runder Spruch mein Schreiben recht zu ziehren Weil mir der Anfang auch des Schreibens fast ge- bricht.

Was aber sagest du? ich stehle hier die hertzen Und hette deines selbst zu dem Altar gethan? Es scheint der Fürst hat Lust mit seiner Magd zu scher- tzen

Mein Finger rühret nichts als nur den Psalter an. Die Bethe lieget itzt allein in meinen Händen In diese hab’ ich noch kein weltlich Buch gebracht Mein Auge weiß sich nur auf das Altar zuwenden

Und ist nunmehr auf nichts als nur auff Gott bedacht. Ich kenne fast nicht recht diß was mein Fürst begehret Er haßt mein Element darinn ich leben muß Er sagt ich werde hier nur durch mich selbst verzehret

Er tadelt meinen Gang und störet meinen Fuß. Er will die Bethe mir aus meinen Händen bringen Er macht die Kloster Pflicht zu seinem Possen Spiel Er hat mich nie gehört und tadelt doch mein singen

Und meint ich thäte nicht was Bluth und Jugend will. Diß und was ferner folgt das seyn mir neue Sachen Ich kenn es nicht vielmehr als Schrifft der frembden Welt

Ich weiß nicht was ich soll aus deinen Worte machen Doch wo mich recht bedeucht hier ist verboten Geld. Du zeigst mir wie es scheint gar viel verfälschte Wah- ren

Auf die des Höchsten Zorn das Feuer hat gesetzt Ich kan nicht allzuwohl die Gräntzen überfahren Nach dem der Himmel mich des Klosters werth ge- schätzt.

Und daß ich endlich nun hier sonder Fürhang spiele Und ohne Maßque dir nur zeige was ich bin Mein Auge steht itzund nicht weit von deinem Ziele Ich kenne deinen Wunsch und spüre deinen Sinn.

Des Briefes Wolcke hat ein guter Freund vertrieben Er hat was Nebel war zur Sonne mir gemacht Ich hör’ es will mein Fürst die arme Nonne lieben Und sein erhitzter Geist sey nur auf mich bedacht.

Er woll in kurtzer Zeit allhier mich selber schauen Und sagen was kein Brief und Bothe melden kan Er woll ein solches Schloß der treuen Liebe bauen Dergleichen noch kein Fürst vor dieser Zeit gethan.

Ach Fürst ich bin verschenckt! und bin mir selbst ent- nommen Ein Fessel drücket mich so schwerer ist als Ich Ich kan mit Ehren nicht aus meiner Zelle kommen

Die Welt ist dein Enthalt das Kloster ist vor mich. Mein Namen ist nunmehr tieff in ein Buch geschriebe Das nichts was irrdisch ist in sich enthalten mag Ich muß vermöge diß nichts als den Himmel lieben

Gott ist mein Bräutigam itzt ist der Hochzeittag. Hier soll der Haare Gold in Silber sich verkehren Mein Purpur soll allhier verschüssen seinen Glantz Der Jugend Rose soll sich in ihr selbst verzehren

Und alles muß vergehn doch nicht mein Ehrenkrantz; Mein Ohre darff ietzund nichts ungereimtes hören Wann Bluth und Jugend ruft und dis und das be- gehrt

So muß ich ihren Trieb mit meinem Psalter stören Und schauen daß man sich der ersten Gift erwehrt. Ich bin nunmehr bemüht mich selber zu bezwingen Denn keinen andern Feind verspühr ich fast allhier

Mann kan so leichte nicht in unser Kloster springen Drüm beth’ ich stets: O Gott behüte mich vor mir! Ich unterrede mich allhier mit meinen Sinnen Der Schalckheit dieser Welt der werd ich nichtgewahr

Die beste Kundschafft ist sich selbst erkennen können Denn frembde Kundschafft ist ümzircket mit Gefahr. Und dencke doch O Fürst seyn das nicht große Sa- chen

Ach grösser als die Welt was Ehre heist und Gott; Uns kan des einen Zorn zu Staub und Asche machen Ein Fleck des anderen ist ärger als der Todt. Auf den der Höchste zürnt desselben ist vergessen

Das Bley von seinen Grim beschwert uns allzusehr Die Ehre gleichet sich den prächtigen Cypressen Behaust du ihren Stamm so grünen sie nicht mehr. Doch weiß ich dieses auch ich bin nur Mensch geboh-

ren Die Tugend lieb ich zwar doch auch die Höfligkeit Es hat die Freundschafft mich zum Kloster zwar er- kohren

Doch kenn ich noch allhier die Bluhmen dieser Zeit. Dem Fürsten kan ich ja nicht seinen Wunsch zerstören Der mich hier sehen will diß ist nicht Missethat Ich bleibe was ich war und kan den Höchsten ehren

Ob mich ein junger Fürst gleich angeschauet hat. Ein Auge nimt mir nichts die Tugendt ligt im Her- tzen Ein Blick wie scharf er ist dringt warlich nicht dahin

Ich kann ohn alle Schuld zugleich mit Worten scher- tzen Und dencken daß ich hier als eine Nonne bin; Ich bin (doch ungerühmt) mit Keuschheit so umschlos-

sen Daß Wort und Blick für mir als todte Feinde seyn Denn wer die Liebligkeit des Himmels hat genossen Dem reist man nicht so bald der Tugend Vestung ein.

Doch weiß ich auch fast nicht wie mir der Brief geflos- sen Mich deucht es führte mir hier etwas meine Handt Ich habe weil ich schrieb dergleichen Lust genossen

Dergleichen Eva kaum in Paradies empfandt. Inkünfftig wollen wir nichts durch Gesandte melden Es ist ein kaltes Werck und doch Verdachtes voll Mein Kloster ist gewiß kein Feind berühmter Helden

Kom’ sage mir nur selbst wie ich dir dienen soll.

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